Wegekreuz Gering

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Mein Lebensweg von Joseph SCHWAB 1942
Schulchronik Teil 2

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2. Kapital Landeshoheit

a. Unter den frühesten Herrschaften

Ungefähr 1000 Jahre v. Chr. scheinen die Kelten, von Osten kommend, den Rhein überschritten und sich zwischen dem Rheine, dem atlantischen Ozean und den Pyrenäen, also auch in unserer Gegend niedergelassen zu haben. In Sitten und Sprache waren die Kelten von den östlich vom Rheine wohnenden Germanen verschieden. Aber die Germanen drangen bis über den Rhein und zwangen die zunächst wohnenden Kelten, ihren Grundbesitz abzutreten, auf dem sich die Germanen niederließen. In mehreren Schriften werden die frühesten Bewohner unserer Gegend Trevirer genannt. Ihr Land erstreckte sich von Trier ostwärts bis zum Ausflusse der Nahe in den Rhein, nördlich bis in die Gegend von Andernach und war von Deutschalnd durch den Rhein getrennt. Ihr Staat gehörte zu Gallien und zwar zur Unterabteilung, welche Belgien genannt wurde. Die Trevirer waren wie uns Tacitus und Julius Cäsar erzählen, eines der mächtigsten deutschen Völker. Julius Cäsar kam um das Jahr 58 v. Chr. an den Rhein, unterwarf die Trevirer und dehnte die römische Herrschaft bis zum Rheine aus. Der Kaiser Augustus versetzte eine Anzahl Trevirer nach Kleinasien, die von dem Apostel Paulus Galleter, d.i. Einwohner von Kleingallien, genannt wurden. Über 500 Jahre dauerte die Herrschaft der Römer über unsere Gegend. Zur Zeit der Römer und vielleicht auch teilweise schon früher bestanden am Rheine verschiedene Städte, z.B. Koblenz, Andernach. Hin und wieder findet man römische Münzen, Reste von Mauern aus der Römerzeit. An Gering führt eine alte Straße vorbei,

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die im Volksmund „welsche Straße“ und „Römerstraße“ genannt wird. Dieselbe führt von der Mayener Straße bei Gering ab, schlängelt sich durch die sogenannte „Hohl“ (Flurdistrikt) und führt über die Koblenz- Trierer Straße nach Monreal. Heutzutage wird sie als Landstraße nicht mehr benutzt, findet sich aber noch vielfach auf Landkarten. Sie soll 24 Fuß breit gewesen sein. Im Jahr 406 gingen Sueven, Vandalen und Alemannen über den Rhein, verwüsteten unsere Gegend, überhaupt ganz Gallien und zogen nach Spanien. 411 kamen die Franken; 451 die Hunnen. 463 eroberten die Franken unter Clodewig bleibend das Land.

Schon früh hatten in unserer Gegend fromme Männer sich bemüht, das Christentum einzuführen. So predigte um das Jahr 350 n. Chr. der h. Castor an der Mosel in der Gegend von Carden. Sein Aufenthalt soll eine Höhle unterhalb Carden gewesen sein. An der unteren Mosel bei dem jetzigen Dorf Cobern verkündete der h. Lubentius das Wort Gottes.

Zur Zeit der Franken gab es in Andernach und Coblenz königliche Paläste, sogenannte Königshöfe. Die Franken teilten ihr Reich in Herzogtümer, die Herzogtümer in Gaue, denen Grafen vorstanden. Die Gaue zerfielen in Hundertschaften.

Im Anfange des 9. Jahrhunderts, also zur Zeit „Karls des Großen“ gehörte unsere Gegend zum Herzogtum Mosellanien und zwar zum Mayengau. 938 kamen Ungarn vom Rhein her über den Hunsrücken nach Lutzerath, zogen nach Kaisersesch und wurden dort von den Gaugrafen des Herzogtums Mosellanien geschlagen, wobei die Bewohner des Mayengaus tapfer mitwirkten. Die Gaugrafen hatten richterliche und militärische Gewalt und als später diese Rechte an die Bischöfe übergingen, bildete sich auf diese Weise die landesherrliche Gewalt der Bischöfe.

Unter der fränkischen Herrschaft unserer Gegend

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kannte man folgende Stände: 1. Prälaten, Bischöfe, Äbte, 2. Grafen, die im Namen des Königs Gaue verwalteten, 3. Freie, Reichsadlige, Reichsritterschaft; sie besaßen freies Grundeigentum, persönliche Freiheit, 4. Bauern, Hörige, diese klebten dem Grund und Boden an, durften sich ohne vorherige Freilassung nicht davon trennen, und wurden mit dem Grund und Boden verkauft, vertauscht und verschenkt. Sie zerfielen in 2 Klassen a. die der Schollen, Kolonisten genannt. b. Ministeriales, der Herrschaft angehörigen Bäcker, Zimmerleute, Jäger, Schmiede, Maurer, Steinhauer, sie waren mobile Hörige. Wurde die Dienstpflicht aufgehoben, so blieb bloß ein Zins, Causus genannt, zu entrichten. Sie hießen dann Zinspflichtige. Das Recht des Grundherrn erstreckte sich über Leben und Tod der Hörigen. Da sie aber nicht, wie bei den Römern, im Hause des Herrn wohnten, so waren sie auch nicht so dessen Launen ausgesetzt.

Geistliche und weltliche Herren teilten die vom Kaiser ihm geschenkten Ländereien in Hauben- oder Hofgüter zu etwa 30 Morgen, behielten das Beste für sich, das andere Land gaben sie Leibeigenen zu Lehen; diese hießen dann Lehensleute oder Erbpächter, die Hofgüter Lehnhöfe. Die Pächter oder Lehnsleute mussten den Lehnseid leisten und versprechen, ohne Loskauf nicht fort zu ziehen. Die Loskäufer kamen dann dem Gutsherrn sehr erwünscht, wenn die Bevölkerung auf einem Gute so zunahm, dass es zur Ernährung nichts mehr ausreichte.

 

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b. Unter den Kurfürsten

Bis zum Oktober 1794 gehörte das linke Rheinufer und somit auch Gering zum Kurfürstentum Trier, dessen Regent auch zugleich Erzbischof war. Der letzte Kurfürst hieß Klemens Wenzeslaus.

Wie in ganz Deutschland, so brachte auch in unserer Gegend der 30 jährige Krieg große Veränderungen hervor. Kaiserliche, Schweden, Spanier und deutsche Völker verdrängten sich gegenseitig, was die einen übrig ließen, nahmen die anderen weg. Ortschaften, die vorher bestanden, sind heute nicht mehr. Man kennt ihre Namen nicht mehr. Andere sind nicht mehr zur Blüte gelangt, wie vorher. Durch die großen Einquartierungen und die schrecklichen Verwüstungen der Saaten entstanden oft in dieser Zeit große Hungersnöten. Nach Berichten, die aus dieser Zeit stammen, kosteten hier 1 Malter Mehl 240 Gulden, 1 Acker, der heute womöglich 1200 Mark wert ist, wurde gegen 5 Brote eingetauscht. Ein Kalb wurde für 80 Gulden verkauft.- Wie viele heiße Gebete mögen wohl von den bedrängten Bewohnern in dieser unseligen Zeit zum Himmel empor gesandt worden sein, damit diese Bedrängnisse aufhören sollten. Aus der Zeit nach dem 30 jährigen bis ungefähr 1750 – 1800 findet man hier viele steinerne Kreuze, manchmal mitten im Felde stehend, und es ist anzunehmen, dass wenigstens die Ältesten davon aus Dankbarkeit gegen Gott gesetzt worden sind, (damit) weil diese schrecklichen Zeiten endlich einmal aufhörten. Diese Kreuze, in welche natürlich fast ganz unkenntlich, das Bildnis des Erlösers eingehauen ist, sind aus Mayener Basalt hergestellt und jetzt ist vielfach die Schrift darauf ganz unkenntlich geworden. Ein solches steht

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neben dem Garten des Matthias Faber I (Nachbar der Schule) an einer Seite der Dorfstraße mit der Jahreszahl 1689.

Der darauf befindliche Name Peter Kierig bezeichnet wohl den gewesenen Eigentümer des Kreuzes. Übrigens ist der Name Kierig in Gering ausgestorben.- Ein ähnliches Kreuz steht im Flurdistrikt „Steinehüwel„ am Müdburger Pfädchen, worauf man aber keine Inschrift mehr entziffern kann. Die Inschrift lautet: 1661 JAKOB HENN U. KATHARINA ELEUT VON GIERING

Was ferner bis zum Ende des vorigen Jahrhunderts jeden deutschen Bürger mit Trauer erfüllte, das sind die unzähligen Hexenprozesse, Folterungen und Hinrichtungen der die Hexerei beschuldigten Personen. Trat ein schlimmes Naturereignis ein, geschah irgend ein Unglück, erkrankte ein Haustier, war eine Person, zumal eine Frauensperson, besonders schön oder hässlich, so waren Hexen im Spiel. Auf die Anzeige eines einzelnen wurden die verdächtigen Personen gefänglich eingezogen, und da sie sich nicht schuldig bekannten, der Tortur unterworfen. Aus Furcht vor weiteren noch größeren Schmerzen gestanden sie oft, was sie nicht gethan hatten, dann erfolgte Verurteilung zum Tode des Verbrennens. Leugnen wurde als Verstockung angesehen und dann die Folter so lange fortgesetzt, bis zuletzt der Tod oft als eine Wohlthat erschien und das Bekenntnis erfolgte. Nun wurde die zum Feuertode verurteilte Person um Mitschuldige befragt und letztere dann auf gleiche Weise gerichtet.

Auch unsere Gegend blieb von diesen Hexenprozessen nicht verschont. 1745 verurteilte der Schöffe von Münstermaifeld eine Frau aus Gondorf, Mutter von 5 Kindern, zum Feuertode, weil sie ein Gewitter herbeigezaubert habe, dass die Saaten verdorben und einen Teil der Burg Layen weggerissen hatte. Auf dem Dieblicher Berg wurde zum Ende des 17. Jhrhdt. in kurzer Zeit 25 Hexen verbrannt.

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Im Banne Kehrig zeigt man noch heute eine alte Eiche, unter welcher Hexen verbrannt wurden und hat dieselbe heute noch den Namen „Hexeneiche“.- Zur Abschaffung der Hexenprozesse trug am meisten der Jesuit Friedrich von Spee bei. Derselbe gewann die Überzeugung, dass alle Hexen unschuldig (sein) wären. 1631 ließ er in Rinteln eine Schrift drucken: Betitelt „Über die Hexenprozesse ein Wort an die Obrigkeit Deutschalnds“, die sehr großes Aufsehen eregte. Hätte man gleich den Autor gefunden, so wäre er damals auch ohne weiteres dem Tode verfallen gewesen. Dem Abte seines Klosters offenbarte sich v. Spee als Autor der Schrift. Nach und Nach kamen die Hexenprozesse ab.- Die Hexen sind längst verbrannt, aber der Aberglaube ist heute noch nicht ganz verschwunden. Alte Leute aus unserem Orte glauben noch vielfach an Hexen, z.B. die Pferde werden nachts von Hexen geritten, dass sie morgens ganz voll Schaum sind. Hexen flechten nachts die Mähne der Pferde. Hexen sind es, die bewirken, dass die Kuh blauen Rahm gibt. Über ein fließendes Wasser die Kuh geleitet, macht den Rahm wieder weiss.

Kleine Kinder, die sich in Krämpfen winden, sind vom Maar behext, welches zum Schlüsselloche hereinkommt. – Bis zum Jahr 1793 war es hier und wahrscheinlich in vielen Gegenden des Kurfürstentum gebräuchlich, alljährlich im Mai die Glocken zu läuten, um die Hexen in ihren bösen Anschlägen gegen Menschen und Tiere zu stören. Der Kurfürst Klemens Wenzeslaus stellte das ab, führte dagegen die Maiandachten ein, um den Segen Gottes über die Feldfrüchte herab zu flehen. Diese Maiandachten haben sich in Gering bis dato erhalten und werden dieselben mittags vom Lehrer abgehalten. Auch herrschte zu damaliger Zeit hier die Unsitte, während eines Gewitters alle Glocken zu läuten. Dieses verbot auch der Kurfürst,

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erlaubte aber bei Annäherung eines Gewitters 3 mal ein Zeichen mit der Glocke zu geben, um die Christen zum Gebete aufzufordern zum Schutze des Eigentums.

(1929) Heute kennt man auch diesen Brauch nicht mehr.

 

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3. Kapitel

a. Gemeinde – resp. Bürgerliche Verhältnisse

Der Bann Gering ist 298,46 ha, also rund 3 qkm groß. Davon sind 33,57 ha Gemeindewald u. 15,23 Privatwald.

Die Gemeinde Gering hat an Gemeindeeigentum ungefähr 22 ha Wald und an der Elz 4 ha Wiesen. Letztere sind an Private verpachtet. Früher war der Holzbestand des Waldes ein ziemlich guter zu nennen und jeder Bürger (wer Bürger werden wollte, musste eine einmalige Abgabe an die Gemeinde zahlen) erhielt freies Holz aus dem Gemeindewalde. Heute ist es anders. Das wenige Holz, welches der Wald abwirft, wird außer dem Eichenbestande zu Wallen (Schanzen) gebunden und im Frühjahre unter den Gemeindeeingesessenen (nicht fremde Personen) versteigert.

Es kosten dann 100 Ballen (meistens Buchen und Erlen) je nach Qualität 10 – 13 M. Stammmholz findet sich fast keines mehr vor. Da die Lohe augenblicklich so schlecht im Preise steht wegen Einführung des Grubenholzes, dass kaum mit derselben kaum ein Überschuß erzielt wird, so wird in manchen Jahren gar nichts geschält.- Alte Gemeindehäuser sind hier vorhanden ein Schulhaus, ein Backhaus und ein Spritzenhaus.

Das Backhaus kann schon auf manche Jahre zurückblicken und ist früher zugleich als Schule benutzt worden. Das Spritzenhaus wurde im Jahre 1882 erbaut.

Neben letzterem befindet sich der Brandweiher. In den Jahren 1880 – 1882 wurde auch eine neue Spritze von Gebrüder Zilliken aus Coblenz geliefert, die 800 M kostete und zu welcher die Provinzial Feuerversicherung 300 M spendete.

Außer Schneeschöpfen werden hier keine Frohndienste mehr verrichtet, wie es früher allgemein üblich war. Die Gemeindearbeiten, z.B. Wegebau, Holzmachen werden versteigert und die Kosten dann als Umlagen erhoben. Da die Gemeindeinkünfte ziemlich

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klein sind, so müssen die Gemeindeaufgaben vielfach durch Umlagen gedeckt werden. Letztere bewegten sich in den letzten Jahren zwischen 100 – 150 % der Einkommenssteuer.- Während früher die Staats- und Gemeindsteuern von einem und derselben Steuerempfänger (zuletzt Rechnungsrat Breuer Polch) gehoben wurden, zog später ein Rentmeister aus M. Maifeld die staatlichen Steuern ein, während der Gemeindeempfänger in Polch diese Arbeit besorgte, was Gemeindesteuern resp. Gehalt anbelangte.

Seit 1895 ist es so, dass der Gemeindeempfänger (augenblicklich Bohn) hier sämtliche Steuern hebt und das Gehalt auszahlt.

Die stattlichen Gehälter resp. Zuschüsse zahlt die Kreiskasse in Mayen (Jost) aus.

Bürgermeister, die in Polch amtiert haben, sind:

Von 1842 – 1876 Driesch. Von 1876 – 16.2.92 Laymann. Letzterem folgte unser jetziger Bürgermeister, Melsheimer.-

Vorsteher, die in den letzten Jahren unsrer Gemeinde vorstanden, sind: Adam Faber, Joh. Kolligs, Seb. Faber, Christ. Schwab, Pet. Faber.

Der Gemeindewald wird von Förster Bertram, der in Pillig wohnt, verwaltet. Die Jagd ist augenblicklich an Bauersleute aus Kehrig verpachtet. Die Gemeinde trägt den Wildschaden. Der Pachtpreis beträgt 95,00 M gegen 150 M vordem. An Wild sind hier vorhanden: Rehe, Hasen, Füchse, wilde Kaninchen und Rebhühner. Die Fischerei in der Elz ist auch verpachtet. Nach dem neuen Fischereigesetze bilden Gering, Collig, Roes u. Kaifenheim einen Fischereibezirk. – Vögel werden kaum gefangen. –

Die Gemeindewege sind ziemlich gut zu nennen. Sie werden mit Mayener Basalt-Kies überschüttet und dann mit Sand überdeckt. Jedes Jahr macht die Gemeinde ein Stück Weg. Die

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Dorfstraße ist fast ganz mit Mayener Basalt geplastert.

Im Jahre 1859 richtete die Gemeinde eine kleine Wasserleitung ein. Das Wasser wurde im Garten des Seb. Faber I (No. 29) aufgefangen und durch irdene Röhren ins Dorf geleitet. Die Röhren mussten 1897 teilweise durch eiserne ersetzt werden. Der Auslauf der Leitung geschieht in steinerne Behälter mitten im Dorf neben dem Anwesen des Christ. Schwab.

Förster Bertram ist vom 1.10.98 ab pensioniert. Der einstweilige Verwalter der Stelle ist Hilfsjäger Keil. Als Nachfolger des Hilfsjägers Keil fungiert Förster Zimmermann.

 

 

Entwässerungsgenossenschaft Einig – Gering

Vor dem Jahre 1904 waren die Grundstücke in den Distrikten Bradill (Bann Einig) und Pesch (Raum Gering) ganz versumpft. Es waren meistens Wiesen, die mit Hecken, Eichen, Erlen u.s.w. bepflanzt waren und einen ganz minimalen Ertrag lieferten. Um dieses Land zu fruchtbarem Ackerland resp. Wiesen umzugestalten, wurde im Jahr 1903 auf Anregung des Bürgermeisters Melsheimer zu Polch eine Entwässerungsgenossenschaft gegründet. Diese Genossenschaft heißt wie oben gesagt „Einig – Gering“, da die Ländereien, die der Entwässerung am meisten bedürftig waren (Bradill), im Banne Einig liegen. Gleich zu Anfang des Jahres 1904 wurden die betreffenden Arbeiten unter Leitung der Königl. Regierung in Angriff genommen und meistens in dem Winter 1904 zu Ende geführt. Es wurden entwässert, 10 ha, 71 a, 57 qm. Die nutzlosen Sträucher, Hecken und Bäume verschwanden, die versumpften

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Wiesen wurden zu ertragsfähigen Acker umgewandelt und der Wert dieser Ländereien stieg ungemein. Während man vorher die Quadratrute durchschnittlich für 1 – 2 M haben konnte, forderten die Besitzer nach den Entwässerungsarbeiten 10 – 12 M. In dem Jahr 1904 wurden für Ausführung und Unterhaltung der Entwässerung sowie für Material und Gehälter 4134,85 M bezahlt. Der Beitrag des Staates aus der Provinzialkasse zu Düsseldorf betrag 1818,50 M. Die fehlenden Gelder wurden durch Beiträge der Genossen aufgebracht nach Verhältnis des Nutzens resp. der Größe ihres entwässernden Besitzes. Die Anzahl der Genossen betrag 1904 61. 1914 betrug sie 52 Genossen. Auch in Zukunft wird, um die Entwässerung in Stand zu halten, ein Betrag von den Genossen erhoben; dieser beträgt pro Jahr ungefähr 50 – 70 M. Im Jahr 1914 mußte eine große Ausbesserung vorgenommen werden, die ungefähr 140 M Kosten verursachte. Von der Gründung der Genossenschaft an bis zum 1.1.14 war Vorsteher derselben der Gemeinde-Vorsteher Pet. Faber; von 1.1.14 ab ist es Matth. Ackermann. Rechner von der Gründung an ist der Lehrer Pies.

 

 

Schützenverein (und Gesangsverein) in Gering

In den siebenziger Jahren wurde in Gering ein Schützenverein gegründet, wie es damals vielerorts üblich war. Dieser Verein hält jedes Jahr am 1. Sonntag im August ein Vogelschießen ab. Der Platz, gewöhnlich eine Wiese, wird jedes Jahr gemietet. Für die Abschießung der einzelnen Teile des Vogels, nämlich

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auf Flügel, Schwanz und Rumpf werden Preise ausgesetzt, die gewöhnlich in Gegenständen bestehen, die jeder Haushalt gebrauchen kann. Für fremde Schützen wird ein 2ter Vogel aufgestellt. Am Schützentage selbst wird nachmittags in einem Zuge durchs Dorf, eine Musikkapelle an der Spitze, die einen flotten „Marsch“ spielt; die Schützen in ihrer Uniform mit „Gewehr auf„ im Schritt u. Tritt der Schützenkönig vom vorhergehenden Jahre (nämlich der Schütze, der den Rumpf herabschoß) an seiner Wohnung abgeholt und (mit Musik) zum Schützenplatze geführt. Hier herrscht fröhliches Treiben; die Büchsen knallen, Tische und Bänke sind aufgeschlagen, die Zuschauer lassen sich an denselben nieder und laben sich an den Getränken, die der Festwirt verabreicht. Ab und zu wird auch ein Tänzchen im Grase riskiert, zu welchem die Musikkapelle aufspielt. Abends ist gewöhnlich Ball oder freier Tanz im Saal des Festwirtes.

 

Gesangsverein siehe Seite 176

 

Juli 1926

Der Schützenverein Gering besteht unter seinem Namen nicht mehr. Er besteht heute unter dem Namen „Junggesellenverein“. Grund zur Umnennung des Vereins gab folgende Verlassung. Ein Hauptgrund liegt im Krieg. In der Nachkriegszeit waren die Veranstaltungen wie Schützenfeste von der Besatzungsbehörde verboten. Darum haben hiesige Schützen aus mehr Angst ihre Waffen abgegeben bzw. verkauft. Um jedoch den Verein bestehen zu lassen, gab man demselben einen anderen Namen. Ziel und Zweck des Vereins ist, durch Theateraufführungen den Gemeindebürgern einige vergnügte Stunden zu bereiten. Einen religiösen Hintergrund, wie solche Vereines gleichen Namens in den Städten haben, hat hiesiger Verein nicht. Da heute in den anderen Dörfern der Schützenverein wieder festen Fuß gefasst haben, neigt man auch hier dazu, diesen wieder zu gründen (1927). Im Jahr 1928 war seit 1914 wieder……….

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b. Besonderes

Die Königl. Regierung frug durch Verfügung vom 16.10.58 hier an, ob Straßenbeleuchtung notwendig sei. Die Gemeindevertretung antwortete mit „Nein“ mit der Begründung, der Ort sei zu klein.- Im Jahr 1863 war eine Maikäferplage. Die Gemeindevertretung bewilligte aus der Gemeindekasse für das Einliefern der Maikäfer 2 ½ Groschen. Eine ähnliche Plage brachte das Jahr 1890 und geschah damals das Sammeln der Käfer morgens vor dem Unterricht unter Leitung des Lehrers. Für den ?? gelieferter Maikäfer wurde alsdann 0,25 M bezahlt.- Im Jahre 1872 herrschte in unserer Gemarkung eine große Mäuseplage. Die Gemeindevertretung beschloß, auf Kosten der Gemeinde von Apotheker Zander aus Polch Phosphor-Präperate zu beziehen. Dieselben wurden durch größere Schulknaben unter Leitung des Lehrer Rech ausgelegt. Der Lehrer erhielt dafür eine Renummeration von 15 Pfg und jeder Schulknabe 5 Pfg pro Tag aus der Gemeindekasse.

In unserer Gemeinde bestehen als weltliche Vereine: 1. ein Junggesellenverein. Dieser feiert jedes Jahr im Juni oder Juli sein Stiftungsfest, verbunden mit Vogelschießen und Ball. 2. Ein landwirtschaftliches Casino, welcher zu Kehrig seinen Vorstand hat. Folgende religiöse Genossenschaften, die vom Pfarrer in Kehrig geleitet werden, haben wir Mitglieder der Rosenkranz-Verein, 2. der Bonifatius-Verein, 3. der Franziskus-Verein, 4. der Verein des marianischen Meßbundes, 5. Marianische Kongregation, 6. Mütterverein, 7. Kindheit-Jesu Verein.

Das Lesebedürfnis ist, zumal im Winter, unter den Bewohnern ziemlich groß. Dieses kann der

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Lehrer am besten beurteilen, da immer viele Bücher aus der hier bestehenden Schulbibliothek zum Lesen verlangt werden. Folgende politische Zeitungen werden hier gelesen: 1. Die Mayener Volkszeitung. 2. die M Zeitung 3. das Amtsblatt der Königl. Regierung 4. die Coblenzer Volkszeitung 5. der Rhein- u. Moselbote (erscheint in Coblenz). 6. das kath. Missionsblatt 7. das Paulinus-Blatt erscheint in Trier.- Die Postsachen werden von der Postagentur Mertloch bestellt.

Von besonders großem Vorteile für die hiesigen minder begüterten Bewohner ist der sog. Armenfonds. Über die Entstehung, Einrichtung, Verwaltung etc. sei folgendes mitgeteilt: Vor vielen Jahren lebte in Mertloch in der sog. Burg (im Hause, in welchem heute der Gutsbesitzer Mich. Maur wohnt) ein Herr Schnez. Eines Abends wollte sein Knecht über das verschlossene Thor klettern, um ins Haus zu kommen. Schnez, der glaubte, ein Einbrecher wolle ihm einen Besuch abstatten, nahm sein Gewehr und erschoß den Knecht. Als er das Unheil sah, welches er angerichtet hatte, gelobte er, aus großer Reue sein ganzes Vermögen den Armen der Pfarrei Mertloch zu vermachen, was er dann auch in Wirklichkeit that. Da nun Gering damals zur genannten Pfarrei (bis 1821) gehörte, erhält es auch seinen Teil. Die Einkünfte dieses Fonds bestehen in Kapitalzinsen und Landpacht. Verwalter derselben ist der jeweilige Bürgermeister in Polch. Die Einkünfte werden nach der Seelenzahl unter die 4 Gemeinden Mertloch, Einig, Collig u. Gering (frühere Pfarrei Mertloch) verteilt. Auf Gering entfallen pro Jahr ungefähr 300 – 400 M. Mit diesem Betrage werden die Bedürftigen der Gemeinde

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in jeglicher Weise unterstützt, z.B. sie erhalten Kohlen, Geldunterstützungen bei Krankheiten und beim Bauen von Wohnungen etc. Die Schulkinder der bedürftigen Eltern erhalten ebenfalls die Schulsachen aus dem Armenfonds.

Im Jahre 1897/98 betrug die Zuwendung für Gering aus diesem Fonds 411 M.- Im Schuljahr 1898/99 erhalten 22 Schulkinder ihre Schulsachen aus dem Armenfonds.

 

 

Elektrische Licht- und Kraftanlagen

Durch die Bemühungen unseres Herrn Landrats Dr. Peters ist der Kreis Mayen und daher auch Gering mit elektrischem Licht und dito Kraft versehen worden. Bereits im Jahr 1913 im Herbst wurden die entsprechenden Arbeiten in Angriff genommen und im Frühjahr 1914 soweit fertig gestellt, dass vom 1. April 1914 unser Dorf während der Dunkelheit die Wohltaten des elektrischen Lichtes genießt. Gleichzeitig wurde auch die Anlage zur elektrischen Straßenbeleuchtung fertig gestellt. Gering hat 5 elektrische Straßenlampen. Auch das Schulhaus wurde mit 7 solcher Lampen versehen. Dank des wohlwollenden Entgegenkommens des Bürgermeister Melsheimer und der hiesigen Gemeinde sind die Anlagekosten sowie die der Lampen im Betrage bis 31 M aus dem Etat der Gemeinde übernommen worden. Der Lehrer hatte nur die Birnen und den Betrag über 31 M für die Lampen zu bezahlen. Die Anlagekosten sowie die Kosten der Lampen und Birnen

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stellten sich im allgemeinen auf 20 M für jede Brennstelle. Hofleitungen sowie Lampen in Ställen wurden etwas teurer.

Die Kilowatt-Stunde kostet im Verbrauch des Lichtstromes bis 10 Lampen 40 Pf; die Zählermiete für jeden Monat 30 Pf. Das neue Licht ist sehr praktisch und leuchtet sehr hell. Die Anlagearbeiten wurden von der Rheinischen Schuckert Gesellschaft zu Mannheim ausgeführt. Den elektrischen Strom liefert das Elektrizitätswerk Rauschermühle A.G. bei Plaidt.

Wasserversorgung

1928 im April.

Die Wasserversorgung der hiesigen Gemeinde ist noch sehr rückständig. Hiesiger Gemeinderat hat durch Beschluß einer Sitzung im Frühjahr 1926 den Plan gefasst nach verschiedenen Quellen zu schürfen, um endlich einem lang ersehnten Wunsche zu Erfüllung zu verhelfen. Die Quellen sind soweit gefasst, es muß nun festgestellt werden, ob dieselben genügend Wasser für unsere Gemeinde liefern, (was wir alle wünschen), damit der Bau einer Wasserleitung begonnen werden kann zum Segen aller Geringer Bürger. Hoffentlich wird bald daraus Wirklichkeit.

1929 im Dezember

Da unsere Wasserversorgung ein Problem ist, das auf dem toten Punkt angelangt ist, denn man hört nichts mehr davon; so haben einige Bürger, um diesem Übelstand aus dem Wege zu gehen, sich eigens eine Wasserleitung gebaut. Bei Herrn Peter Ackermann wurde vor seinem Wohnhaus ein 14 m tiefer Brunnen gebaut. Eine elektr. Pumpe versieht nun die Besitztümer des Herrn Peter Ackermann (Haus mit Stallung) und das der gleichen Art des früheren Lehrers von Gering Herrn Joh. Pies mit Wasser. Eine Reihe anderer Bürger, die in bezug auf Wasser von der Gnade ihrer Nachbarn, die teils als solche in Frage kamen, weit entfernt wohnten, abhingen, haben sich auch einen eigenen Brunnen bauen lassen. Es sind dies die Landwirte: Oster Gersabeck II, Johann Schwab (Schmied), Jos. Müller. Die Schule ist bis heute noch ohne Wasser.

 

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c. Klimatisches

Da Gering über 300 m (genau 342 m) über dem Meeresspiegel liegt, so ist das Klima im Verhältnis zu anderen Ortschaften der Bürgermeisterei Polch als ein ziemlich raues zu bezeichnen, was bei Leuten von schwachen Lungen oft Lungenentzündung erzeugt. Letztere Krankheit tritt darum, im Herbst und Frühjahr besonders, nicht selten auf. Die Winter sind dadurch, dass der Schnee bisweilen lange liegen bleibt, manchmal ziemlich strenge.

1894/95: Der Winter war sehr strenge, größte Kälte, die hier herrschte, betrug – 21 – 22o C.

1895/96: Es herrschte ein ganz gelinder Winter. Im Februar blühten Blumen, so z.B. das kleine Meßliebchen.

1896/97: Der Winter war ziemlich kalt.

1897/98: Es herrschte ein ganz gelinder Winter. Am 17. Januar zeigte das Thermometer im Schatten + 13o C.

Der Sommer des Jahres 1898 war ganz abnorm. In den Monaten Mai und Juni war die Witterung ziemlich kühl. Dazu waren in dieser Zeit die Niederschläge sehr groß. Es regnete unaufhörlich. Dann trat ein Umschwung ein, und im August war eine sehr große Hitze. Die mittlere Temperatur betrug am 17. August z.B. +27,7o C. Dieser Tag soll der heißeste gewesen sein seit 1848.- Da der Frühling dieses Jahres sehr naß war, so kam das Ungeziefer zu viel an die Blüten der Obstbäume, weshalb die Obsternte eine ganz geringe war. 50 kg Äpfel kostete im Herbst 9 – 11 M.- Alle anderen landwirtschaftlichen Produkte gediehen aber ausgezeichnet. In den guten Äckern legte sich das

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Getreide und faulte teilweise. Seit fünfzig Jahren, behaupteten alte Leute, hat Gering keine so reiche Ernte wie in dem Jahr 1898 gehabt. Daß die Ernte eine sehr reichliche war, zeigt sich auch an den vielen und großen Strohbarnen, die draußen standen.

Durch eine außergewöhnlich große und andauernde Hitze zeichnete sich der Sommer des Jahres 1911 aus. Es war wohl der heißeste Sommer in den letzten 100 Jahren. Im Mai war es feucht und warm, so dass Getreide und Klee so üppig standen, wie es selten hier war. Der Juni war kühler und vom Fronleichnamsfeste an (15. Juni) fiel der letzte Regen für lange Zeit. Dann setzte die Trockenperiode ein, die ununterbrochen bis zum 22.8. dauerte. An diesem Tage gab es etwas Regen, ebenso am 23.8., der aber fast gar keine Wirkung in der ausgedörrten Erde hatte. Endlich am 14.9. fiel ein ausgiebiger Gewitterregen, der das Erdreich einige Zentimeter tief anfeuchtete. Mit der großen Trockenheit war eine ungemein große Hitze verbunden. Am 17. Juli fing eine Reihe von heißen Tagen an, die ununterbrochen 4 Wochen lang dauerte. An jedem dieser Tage stieg das Thermometer im Schatten über 25o C, oft über 30o C, am 23. Juli auf 35o C. Erst am 15.9. trat ein Umschwung ein. Durch Verf. der Behörde durfte schon der Unterricht an den heißen Tagen um 8 Uhr morgens geschlossen werden. Infolge der großen Hitze trockneten Felder u. Wiesen förmlich aus; die Wiesen wurden grau u.

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das Laub der Bäume verdorrte u. fiel teilweise ab; das Getreide wurde in kurzer Zeit ganz reif, das Obst fiel vor der Reife vielfach von den Bäumen, Äpfel wurden bemerkt, die tatsächlich auf dem Baum wie gebraten aussahen u. nachher faulten. Der Geringer Müller konnte lange Zeit nicht mahlen. Der Wein gedieh aber vortrefflich u. schon anfangs Oktober wurde schon teilweise die Weinlese gehalten. Obst gab es hier wenig, die Gemüse, zumal Salat, Bohnen u. Kappes lieferten fast gar keinen Ertrag. Wer in den Gärten kein Wasser hintrug u. die Gemüse nicht tränkte, dem vertrockneten die Pflänzchen vollständig im Garten. Knollengewächse in den Feldern, wie Runkelrüben, Kohlrabi fielen ungemein schlecht aus. Rüben gingen gar nicht auf. Die Frühkartoffeln lieferten einen teilweise genügenden, die Spätkartoffeln (Magnum bonum) einen ganz minimalen Ertrag, kaum mehr als die Menge der Setzkartoffeln. Kappes wurde aus Holland u. Schleswig per Bahn bezogen, 1 Ztr zu 7 – 8,50 M. Ein Glück war´s, dass das Getreide u. das Heu guten Ertrag lieferten. Es setzte nun zu Ende des Sommers u. anfangs Herbst eine Teuerung der Lebensmittel ein. Kartoffeln 3,50 – 4 M, 1 Pfd guter Butter 1,60 M, Gemüse in den Städten kosteten das 3 – 4 fache gegen früher. Die Zeitungen berichteten, dass die Maximalhitze in Rom u. Madrid in den meisten Sommer bloß um 2 – 3o C höher war als in diesem Sommer in Deutschland. Die Zeitungen berichteten über eine große Menge von vorgekommenen Hitzschlägen, Sonnenstichen, Waldbränden etc. Ende des Sommers u. Anfang des Herbstes regnete es verschiedene Male wieder, und

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der Wiesen bekam wieder ein grünes Aussehen.

Untenstehend sind die Wärmegrade verzeichnet vom 6. Juli bis zum 15. Sept.

 

 

 

 

Die folgenden Sommer und Winter waren durchweg gemäßigter Natur. Es machten eine Ausnahme die Sommer der Jahre 1918 + 1921. Ein Jahr strenger Winter, dessen sich die ältesten Leute nicht zu erinnern vermögen, war 1928/29. Das Thermometer zeigte nicht selten über 20o Celsius. Die größten Kältegrade wurden am 11.2.29 gemessen, nämlich 23o.

 

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III. Teil. Die Pfarrei betreffend

1. Kapitel

a. Alter

Wie schon erwähnt, gehörte Gering bis 1821 zur Pfarrei Mertloch. Die Pfarrchronik (Bericht) von de Lorenzi berichtet darüber Folgendes: „Die Visitation der Pfarrei Mertloch spricht von Gering: Zur Pfarrei Mertloch gehörte die Filiale Giering. Die Kompetenz des Pfarrers bestand zum Teil in dem Zehnten zu Gering (= 24 Mr. Korn, 3 Mr. Gerste, 3 Mr. Erbsen, 6 Sr. Spelz und 3 Sr. Linsen). Diese Filiale Gering hat schon lange ihre dem h. Nikolaus geweihte Kapelle nebst Kirchhof.“ 1821 kam die Filiale zur Pfarrei Kehrig.

 

 

b. Größe

 

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2. Kapitel

a. Reihenfolge der Geistlichen

Unsere Gemeinde gehörte bis zum Jahre 1821 zur Pfarrei Mertloch, dann kam sie zur Pfarrei Kehrig. Die Pfarrchronik von de Lorenzi nennt bis 1821 folgende Geistlichen in Mertloch: 1318 Baldewin; 1550 Joh. Frz. Kalter; 1570 Leon Kreuter, 1600 Severus Waldorf, 1650 N. Fredingk, 1640 Pet. Künzer, 1652 – 1677 Balth. Marei, 1678 Joh. Laach; 1682 – 1704 Joh. Friedr. Schmitz; 1704 -1729 Pet. Probst; 1730 Georg Wilh. Fischer; 1752 – 1797 Joh. Nik. Probst; 1797 – 1832 Pet. Jos. Mohr.- Die amtierenden Pfarrer von 1814 bis heute sind folgende: 1814 – 1828 Pet. Ant. Hebel; 1828 – 1831 Gotth. Geisen; 1831 – 1840 Phil. Karl Zender; 1841 – 1872 Joh. Pillicher. Im Jahre 1873 wurde der Pfarrer Matth. Kettenhofen von Beuren aus nach Kehrig als Pfarrer ernannt.

Pfarrer Kettenhofen verzichtete mit dem 1. Juni 1908 auf seine Pfarrstelle. (Während der Vakanz wurde die Pfarrei von Pfarrer Stiff aus Allenz und dann von dem Geistlichen aus Mayen verwaltet.) An seine Stelle trat Pfarrer Martin Fondel, der am 26.10.09 eingeführt wurde. Diese Einführung gestaltete sich sehr feierlich. Vormittags geschah die kirchliche Einführung durch den Ehrendomherrn Kirvel aus Mayen. Abends fand ein großartiger Fackelzug durch Kehrig statt, an dem alle Vereine der ganzen Pfarrei teilnahmen. 3 Gesangsvereine, nämlich der Kirchenchor aus Kehrig, Verein Liedertafel Kehrig und der Gesangsverein Eintracht von hier trugen vor dem Pfarrhaus Lieder vor, der Geringer Verein sang das Lied : „ Gott grüße Dich.“

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Pfarrer Kettenhofen lebt in Mayen. Am 1.9.10 hatte er das seltene Glück, sein 50jähriges Priesterjubiläum zu feiern. Eine Abordnung der Pfarrei Kehrig, zu der Lehrer Pies und 1 Schulkind von Gering gehörten, begaben sich am Tage vorher nach Mayen, um dem Jubilar persönlich die Glückwünsche der Pfarrei zu übermitteln. Es wurde ihm bei dieser Gelegenheit ein prachtvoller goldener Kelch als Andenken von der Pfarrei überreicht. Pfarrer Kettenhofen starb am 21.3.12 zu Mayen und wurde in Kehrig am Ort seiner letzten Wirksamkeit beerdigt. Bei Gelegenheit dieser Trauerfeier zeigte sich so recht die Liebe u. Anhänglichkeit seiner früheren Pfarrkinder durch eine sehr große Teilnahme an der Beerdigung.

August 1927.

Seit Mai 1923 gehört hiesige Gemeinde nicht zur Pfarrei Kehrig. Sie bildet seither eine Kapellengemeinde zusammen mit der Gemeinde Kollig. Der erste Geistliche in hiesiger Pfarrei ist Herr Vikar Ernst Lenarz, gebürtig aus Ochtendung. Die feierliche Einführung war in Kollig am Pfingstsonntag 1923. Auch hiesiger Gesangverein hat durch einige gesangliche Darbietungen zur Verschönerung beigetragen. Herr Vikar Lenarz hat der Schule stets das größte Interesse entgegengebracht. Darum sahen ihn die Kinder der hiesigen Schule nur ungern scheiden, als er dem Auftrage seines Bischofs folgend ab Ostern 1930 als Pfarrer nach Hambuch b/Kaisersesch versetzt wurde. Die Schule veranstaltete ihm darum eine eigene Abschiedsfeier in der Schule und überreichte ihm als Erinnerung ein Bild „Jesus, der gute Hirt“. Auch bei seinen Pfarrkindern war Herr Vikar Lenarz sehr beliebt.

Mai 1930

Sein Nachfolger wurde Herr Vikar Joseph Wiegand. Er war Vikar in hiesiger Vikarie – 1.IX.1938. Vikar Joseph Wiegand kam als Pastor nach Rheinböllen (Hunsrück).

Sein Nachfolger wurde Herr Pastor Hugo Welter. Er blieb bis 31.10.47.

Sein Nachfolger wurde Pastor Peter Zimmer.

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b. Pfarrkirche

Die Pfarrei Kehrig hat eine neue Pfarrkirche (Die alte stand auf dem Platze zwischen dem Pfarrhaus und dem Mohrschen Hause und wurde im 13. Jahrhundert erbaut.) Dies wurde 1872 erbaut und 1875 zu Ehren des h. Castor und der h. Katharina consecriert. Die Bausumme betrug 80 – 90 000 M, wozu Gering bloß 15 000 M beitrug. Wie letzteres geschehen konnte, da Gering eigentlich nach Verhältnis der Steuer etwas mehr ein 1/3 beizutragen hatte, erzählt man sich folgendermaßen: Der erste Plan der zu erbauenden neuen Kirche stellte die Bausumme auf 40 000 – 50 000 M fest. Die Filiale Gering machte nun auf Veranlassung des Bürgermeisters Driesch zu Polch der Gemeinde Kehrig den Vorschlag, zu dem Neubau der Pfarrkirche 15 000 M zu geben, dann solle aber Gering von allen weiteren Bau-Verbindlichkeiten enthoben sein. Auf diesen Vorschlag ging man in Kehrig ein. Nun erkannte man aber, dass die zu bauende Kirche nach dem genannten Plan viel zu klein wurde und ließ einen neuen Plan aufstellen, nach welchem die jetzige Kirche erbaut wurde. Gering hatte also auch zu diesem Bau nur die vertragsmäßige Summe zu zahlen, und dabei blieb es. Die Pfarrkirche ist im gotischen Stil aus Bruchsteinen erbaut. Sie hat 3 Altäre, 4 Glocken und eine neue schöne Orgel, die 21 Register hat und ungefähr 6000 M kostete. Die Pfarrkirche hat ein Mittelschiff und zwei Seitenschiffe.

 

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c. Unsere Kapelle

Gering besitzt eine sehr alte Kapelle. Auf einem Pfeiler in derselben steht zu lesen: ANO 11 – die übrigen Ziffer sind unleserlich. Lehrer Krappen fand auf dem Altar der Kapelle einen Altarstein, worauf zu lesen stand: Mamertus. Dieser Name aber war der Name eines Bischofs von Trier, der im 12. Jahrhundert lebte. Der erwähnte Altarstein wurde durch einen neuen ersetzt und befindet sich jetzt in Trier. Das Schiff der Kapelle scheint sehr alt zu sein, das Chor dagegen ist nicht so alt. Letztere wurde im 16. Jahrhundert erbaut, da das alte Chor von den Franzosen zerstört worden sein soll. Ein Baustil lässt sich am Schiff nicht erkennen. Die Decke ist einfach platt und sehr niedrig, wie in einem Wohnhaus. Die Mauern stehen vielfach schief. Die Fenster sind sehr klein. Die Stühle scheinen aus ganzen Eichenstämmen herausgeschnitten zu sein. Die einzelnen Teile derselben sind nur mit hölzernen Zapfen zusammengefügt. Einen Hobel sowie andere Werkzeuge außer der Säge und dem Hammer scheint man beim Anfertigen nicht benutzt zu haben. Der Turm soll nach dem Jahr 1672 gebaut worden sein. De Lorenzi berichtet, dass der alte Turm in dem erwähnen Jahr von den Franzosen zerstört wurde. Das Glockengerüst des Turmes sowie das Dach der Kapelle sind schlecht. – Die Kapelle ist dem h. Nikolaus geweiht. Sie besitzt folgende teilweise sehr schöne Statuen: 1. Auf dem Altar eine schöne des h. Nikolaus, eine der h. Familie und eine Statue der h. Katharina. 2. Im Chor befindet sich rechts eine Statue, die Gottesmutter darstellend, wie sie der ?? den Kopf zertritt. 3. Im Schiff eine schöne Statue der Gottesmutter und eine

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alte des h. Quirinus. Die Statue der h. Familie wurde von der Familie Pet. Faber (Haus No. 35) der Kapelle geschenkt und am 6.9.96 durch den Franziskaner-Pater Martinus aus Remagen eingewiehen worden. Ferner besitzt die Kapelle die 14 Stationen des Kreuzweges, die von der Jungfrau A.M. Faber (Haus No. 46) (jetzt Klosterschwester, am 24.12.98 gestorben in Worringen) geschenkt und durch den oben erwähnten Pater am 21.6.96 eingewiehen wurden. – Die Kapelle hat zwei Glocken. Der Ton der größeren liegt zwischen dem gestrichenen h u. c. Auf derselben ist zu lesen: S. NICOLAUS HEISSEN ICH IN GOTTES NAHMEN LAEUD ICH ALL BESSER WETTER MERTR?BE ICH PETRUS MIESEM VON MASBURG GOSS MICH ANNO 1787

Die Kapelle erhielt im Sommer des Jahres 1899 eine Statue des h. Aloysius, die von der Familie Joh. Kolligs (Haus No. 4) geschenkt wurde. Sie wurde am 16.8.99 eingewiehen.

Da die Kapelle sehr schlecht ist, beinahe baufällig zu nennen ist, wurde am 3.2.07 eine Versammlung im Schulhause abgehalten, in welcher beraten wurde, wie man die Mittel zum Neubau einer Kapelle zusammenbringen könnte. Als Vorsitzender dieser Versammlung, die vom Vorsteher Joh. Peter Faber einberufen wurde, wurde Lehrer Pies gewählt. Nachdem dieser die Notwendigkeit sowie die Art und Weise von Geldsammlungen für den Neubau einer Kapelle klargelegt hatte, wurde einstimmig beschlossen, einen Kirchenbau-Verein

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zu diesem Zwecke ins Leben zu rufen. Folgende Satzungen wurden festgelegt:

Am 3. Februar hat sich zu Gering ein Verein gebildet, welcher den Namen führt:

„St. Nikolaus Kirchenbau-Verein zu Gering“.

§ 1. Der Zweck des Kirchenbau-Vereins ist der, Mittel zum Neubau u. zur inneren Ausstattung einer Kapelle zu Gering zu beschaffen.

§ 2. Mitglied kann eine Person werden, die mindestens monatlich einen Beitrag von 50 Pf. entrichtet.

§ 3. Wer in einem Jahre keinen Beitrag zahlt, hört auf, Mitglied zu sein.

§ 4. Die monatlichen Beiträge der Mitglieder werden am ersten Sonntage eines jeden Monats durch 2 Sammler erhoben, die jedes Jahr von der Generalversammlung dazu bestimmt werden.

§ 5. Freiwillige Geldspenden von Mitgliedern u. Nichtmitgliedern werden zu jeder Zeit dankend entgegengenommen.

§ 6. Jedes Mitglied betrachtet es als eine Ehrensache, so viel als möglich Beiträge zu sammeln u. neue Mitglieder zu werben.

§ 7. Der Vortand besteht 1. aus dem Vorsitzenden, 2. aus 4 anderen Mitgliedern, von welchen das älteste den Vorsitzenden im Behinderungsfalle vertritt. 3. aus dem Schrift- und Kassenführer.

§ 8. Der Vorstand wird aus der Zahl der Mitglieder alle 3 Jahre gewählt.

§ 9. Jedes Jahr im Januar findet eine vom Vorsitzenden einzuberufende Generalversammlung statt, in welcher vom Kassenführer die Rechnungsablage erfolgt,

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die Satzungen verlesen werden und die Vereinslage u.s.w. bekannt gegeben wird.

§ 10. Außerordentliche Generalversammlungen finden nach Ermessen des Vorstandes statt, oder wenn ¼ der Mitgliederzahl es beantragt.

§ 11. Die Kasse, in der die gesammelten Gelder bis zur Verwendung verzinslich angelegt werden, bestimmt der Vorstand.

§ 12. Die Beschlüsse der Generalversammlung erfolgen durch einfache Stimmenmehrheit. Der Vorstand ist beschlussfähig, wenn mindestens 4 Mitglieder versammelt sind. Er fasst seine Beschlüsse ebenfalls durch Stimmenmehrheit; bei Stimmengleichheit entscheidet die Stimme des Vorsitzenden.

§ 13. Abänderungen oder Zusätze dieser Satzungen können nur auf der Generalversammlung gemacht werden.

§ 14. Für sämtliche Mitglieder des Vereins sowie für alle Wohltäter derselben werden an den Feiertagen u. Sonntagen in der Kapelle 3 Vaterunser gebetet.

§ 15. Tritt ein Mitglied aus dem Verein aus, so erlischt jede Verpflichtung und jeder Rechtsanspruch auf das Vermögen des Vereins.

§ 16. Der Kirchenbau-Verein löst sich auf 1. wenn weniger als 7 Mitglieder vorhanden sind; 2. wenn der unter § 1. genannte Zweck erfüllt ist. Sollte sich der Verein vorzeitig auflösen, so bleibt das etwa vorhandene Vermögen verzinslich stehen, bis es zu dem unter § 1 genannten Zwecken verwandt werden kann.

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Der Vorstand:

Gez. Joh. Peter Faber

Gez. Johann Schwab

Ant. Luxem

Ant. Kolligs

Jakob Hörsch

Joh. Ant. Pies, Schrift- und Kassenführer

 

Genehmigt:

Polch, den 9. Februar 1907

Die Polizei Verwaltung

Der Bürgermeister

Gez. Melsheimer

 

Bei Gründung des Vereins betrug die Mitgliederzahl 51, stieg nachher auf 89 und hielt sich in den Jahren des Bestehens auf 89 – 90.

In der G.V. vom 6.1.09 wurde beschlossen, zu den 50 Pfg Beiträgen der Mitglieder noch für 1909 150 % der Einkommensteuer (auch fingierte Sätze) von den Mitgliedern zu erheben. Für 1910 ebenfalls 150 % der Einkommensteuer, für 1911 auch soviel, für 1912 125 %, für 1913 100 % der Einkommensteuer wurden erhoben. Die allermeisten Mitglieder leisteten diese Beiträge. Das Geld wurde in der Kehriger Spar- u. Darlehenskasse verzinslich angelegt. Diese gibt vom 1.7.13 4 % Zinsen.

Der Kirchenbau-Verein hatte Ende 1907 ein Guthaben von 1017,81 M.

Der Kirchenbau-Verein hatte Ende 1908 ein Guthaben von 2003,33 M.

Der Kirchenbau-Verein hatte Ende 1909 ein Guthaben von 3523,26 M.

Der Kirchenbau-Verein hatte Ende 1910 ein Guthaben von 5415,03 M.

Der Kirchenbau-Verein hatte Ende 1911 ein Guthaben von 7302,68 M.

Der Kirchenbau-Verein hatte Ende 1912 ein Guthaben von 8705,90 M.

Der Kirchenbau-Verein hatte Ende 1913 ein Guthaben von 10527,40 M.

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Januar 26:

Leider hat jedoch der unglückliche Weltkrieg das Kapital wertlos gemacht. Die Inflation 1922/23 hat dann unserem Guthaben den Rest genommen. Dieser unverschuldete Misserfolg zur Gründung eines Sparguthabens ließ jedoch den Mut zum gefassten Plan nicht sinken. Da der Neubau einer Kapelle für hiesige Gemeinde durchaus nötig war, schlossen sich hiesige Bürger 1922 zu dem Kirchbau-Verein von neuem zusammen. Durch freiwillige Spenden war bald eine ansehnliche Summe (so war damals die Inflation) zusammen gebracht. Mit dem Bau der Kapelle wurde begonnen. Im Jahr 1923 war der kirchliche Bau vollendet. Herr Faber Peter hatte seinen Garten an der Straße frei zur Errichtung des Gotteshauses zur Verfügung gestellt. Unsere Kapelle besitzt die beiden Glocken aus alter Kirche. Da das Harmonium hiesiger Kirche für unser neues Gotteshaus nicht im Ton stark genug war und außerdem im Winter, sowie bei Witterungsumschlag stark erkältet war, musste bald ein Weg gefunden werden, um die Instrumentenfrage zu regeln. Herr Lehrer Decker berief darum im Januar 1926 eine Versammlung im Gasthaus Schwab ein, um die Pfarrangehörigen von der Notwendigkeit eines neuen Instrumentes zu überzeugen. Versammlung sah die Erfüllung des Vorschlages als berechtigt ein. Eine im Laufe des Jahres abgehaltenen Haussammlung ergab eine Zeichnung von etwa 4500 M. Nun setzte ich mich mit verschiedenen Orgelbaufirmen in Verbindung. Am besten gefiel mir das Angebot der Firma Gerhardt & Söhne Boppard. Die Orgel wurde durch den Vorstand des Kirchbauvereins, bestehend aus den Herrn Jos. Schwab, Wirt, Sebastian Faber, Joh. Böhr und Karl Decker bei der Orgelbaufirma eingesehen und bestellt. Am 14. März 1927 fand die feierliche Einweihung statt. Bei nachfolgender weltlicher Feier führte hiesiger Kirchenchor das Oratorium „Die hl. Cäcilia“ von Wiltberger auf, welche mit großem Beifall aufgenommen wurde.

1929 August

Unsere Kirche erhielt von zwei Familien handgeschnitzte Statuen als Geschenk. Beide, der hl. Josef wie auch die schmerzhafte Mutter sind wertvolle Stücke unserer Kapelle. Sie stammen aus Oberammergau.

1932.
Im Jahr 1932 erhielt die Kirche einen neuen Plattenbelag.

1934:

Im Jahr 1934 erhielt die Kirche neun Stationen und die Figuren des Altars wurden renoviert.

1936 Der Altar wurde renoviert.

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1948 kamen die im Kriege abgeh. Glocken wieder zurück.

 

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d. Heiligenhäuschen bei Gering

Im Banne von Gering liegen folgende Heiligenhäuschen: 1.) das der Familie Pet. Faber (No. 35) gehörige. Es steht im Osten vom Dorfe da, wo der Weg sich mit der Mayener Straße kreuzt. Dasselbe wurde im Jahre 1823 von Johann Braunschedel erbaut und ist dem h. Augustinus geweiht. Viele Leute der Umgegend wallfahrten in dasselbe, um Befreiung von Husten zu erbitten. 2.) Ungefähr 20 Schritte von dem oben erwähnten Heiligenhäuschen an derselben Straße steht das der Familie Christoph Schwab gehörige (Haus No. 13). Dieses wurde im 18. Jahrhundert von Joh. Schwab erbaut und ist der h. Dreifaltigkeit geweiht. 3). Am Kehriger Wege nördlich vom Dorfe steht das Heiligenhäuschen der Familie Joh. Schwab (No. 19). Dasselbe erbaute Anton Mohr im Jahre 1852. Es ist der Gottesmutter geweiht. 4.) Westlich von Gering an einem Wege, der zu den Gruben führt, steht ein Heiligenhäuschen, das im Jahr 1873 von Gebrüder Reichert erbaut wurde.

 

Oktober 1927

 

Das letzte ist heute nicht mehr erhalten. Es ist ein Trümmerhaufen. In den Heiligenhäuschen 1. u. 2. brennen jetzt noch regelmäßig an den Samstagnachmittagen Kerzen. Dasselbe kann man auch an Sonntagen sehen. Diese noch bestehenden Heiligenhäuschen werden ständig in guter Ordnung gehalten und in entsprechenden Zeiträumen frisch gestrichen.

 

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IV. Besondere Ereignisse

a. Freudige Ereignisse

1923 wird die neue Kapelle bzw. Kirche in Gering auf dem Grundstück des Herrn Peter Faber, gelegen in der Mitte des Dorfes, das dieser als Geschenk der Kirchengemeinde vermachte, errichtet.

 

1923 wird Gering mit Kollig Pfarrvikarie und hat jeden Sonntag und wöchentlich 2 – 3 mal Messe.

1927 am 14. III. wird die neue Orgel eingewiesen.

1927 am 3.VII. Stiftungsfest des Gesangvereins (20 jähriges Besehen) S.178

1933 am 6. III. das neue dritte Reich beginnt, Hakenkreuzfahne, Schwarz-Weiß-Rote und Schwarz-Weiße Fahnen wehen vom Schulgebäude.

1937 am 1.IV.1937 läuft die neue Wasserleitung.

 

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Ein Gesangverein in Gering

Auf Anregung von sangeslustigen Männern und Jünglingen fand am 15.4.07 in der Wirtschaft Schwab eine Versammlung statt, die die Gründung eines Gesangvereins bezweckte. Nachdem Lehrer Pies zunächst einen Vortrag hielt über die Bedeutung des Gesanges, wurde die Gründung eines G.V. beschlossen und dieser erhielt den Namen G.V. Eintracht zu Gering. In den Vorstand wurden gewählt Ant. Luxem als Vorsitzender, Jos. Schwab als Stellvertreter, Ant. Schwab als Schrift- u. Kassenführer und Lehrer Pies als Dirigent.

Paragraph I der Satzungen (lautet:) des Gesangvereins lautet: Der Gesangverein Eintracht bezweckt zunächst die Pflege des kirchlichen und weltlichen Gesanges. Daneben sucht er auch durch gesellige Unterhaltungen und Ausflüge das Vereinsleben zu fördern. Paragraph II Sagt: Der Verein setzt sich zusammen aus aktiven und inaktiven Mitgliedern. Erstere wirken beim Gesange mit. Letztere nicht.- Der Verein hatte bei der Gründung über 40 Mitglieder, darunter 28 Sänger. Derselbe beschaffte sich im Winter 1907 -08 eine Theaterbühne, die um 100 M kostete. Von diesem Jahre ab veranstaltete der Verein im Winter 1908, 09, 1910, 11 resp. 12 gesanglich-theatralische Abendveranstaltungen, die stets, auch von auswärts, gut besucht wurden. Der Reinertrag von den Einnahmen wurde dem Kirchenbauverein überwiesen. Am 16. Juli 1912 hielt der Verein sein erstes Sängerfest ab verbunden mit Fahnenweihe.

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Den Festplatz stellt der Vorsteher Faber von hier, den sog. „Bungerts“, unentgeltlich zur Verfügung, was vom Verein besonders dankbar anerkannt wurde. Das Dorf Gering war festlich geschmückt mit Triumphbogen, Girlanden u.s.w. Die Bürger hatten alle ohne Ausnahme geflaggt. 7 fremde Vereine waren erschienen, um das Fest verschönern zu helfen. Nachdem die fremden Vereine abgeholt worden waren, wurde ein Festzug durch Gering gehalten. Voran spielte eine Musikkapelle herrliche Weisen, dann folgten 8 Vereine mit ihren Fahnen und hierauf noch viele Festteilnehmer, im ganzen über 200 Personen. Auf dem Festplatz hielt Lehrer Pies die Festrede, der Vorsitzende Ant. Luxem begrüßte die anwesenden Vereine. Es wurden dann von den Vereinen abwechselnd Liedervorträge gehalten, die alle von dem guten Können der Vereine zeugten. Abends fand ein Sängerball statt. – Auch die Vereinskasse spürte den guten Besuch des Festes, machte sie doch eine Einnahme von 154 M, durch welche zum größten Teil die Fahne, die 250 M kostete, bezahlt werden konnte. Der Rest der Fahnenschuld wurde fast ganz aus freiwilligen Beiträgen der Mitglieder gedeckt. – Es war ein glänzender, in all´ seinen Teilen ein gut verlaufendes Fest, und nie hat Gering nach dem übereinstimmenden Urteile der Bürgerschaft ein solches erlebt.

Der G.-V. besucht die Gesangsfeste, die in den nächsten Orten der Umgebung abgehalten werden. Daneben übt er auch viele kirchliche Gesänge ein, die dann in der Kapelle beim Gottesdienste zu Gehör gebracht werden.

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Im Jahr 1927 jährte sich zum 20ten male der Gründungstag. Aus diesem Grund sah man sich veranlasst, den Tag ein besonderes Gepräge zu verleihen. So rüstete der Verein eifrig zu seinem 20 jährigen Jubelfeste. Zwölf Anmeldungen auswärtiger Gesangsvereine lagen vor. Der Verein hatte, um das Fest wirklich schön zu gestalten, ein Zelt kommen lassen. Als Festplatz hatte Herr Jos. Ackermann seinen Platz vor der Scheune, auf dem Wege zur Grube, unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Der Festtag, Sonntag, den 3.Juli 1927 war gekommen. Eine Menschenmenge wogte in der Straße auf und ab. Um ½ 2 Uhr stand der Festzug bereit zum Abmarsch. Alle erschienenen 12 Vereine nahmen mit ihren Fahnen an dem Festzuge teil. Eine nie endenwollende Gruppe von Sängern und Sängerfreunde hatte sich zum Festtage zusammengeschart. Schneidig ertönte der Festmarsch und in gleichem Schritt und Tritt ging es durch das festlich geschmückte Dorf. Herr Lehrer Pies, der seit 1925 im Ruhestand lebt, wurde als Ehrendirigent in einer besonders festlich geschmückten Droschke hinter der Musikkapelle gefahren. Drei schmucke Reiter auf bekränzten Pferden ritten als Festherolde vor dem Sängerzug. Um 2 ½ Uhr begann das Singen auf dem Festplatz, den Herr Jos. Ackermann 2 frei zur Verfügung stellte. Hiesiger Gesangsverein begann das Sängerfest mit einem Begrüßungschor, dem sich die anderen Vereine anschlossen. Nachdem Herr Lehrer Decker alle Erschienenen herzlichst begrüßt hatte, hielt Herr Studienrat Oberlehrer Kayser Boppard eine Ansprache über die Entwicklung der deutschen Männergesangvereine. Nun folgte ein eigens verfasster Prolog von Herrn Lehrer Decker, vorgetragen durch ein Schulkind. Ein Festreigen, aufgeführt von Mädchen der hiesigen Volksschule, in Text gesetzt und komponiert von Herrn Lehrer Decker verlieh dem Gesangsfest einen besonderen Reiz. In bunter Folge wechselten nun die Chöre der anwesenden Brudervereine. Es wurde dunkel, die Sterne sandten ihre freundlichen Strahlen und man saß immer noch beisammen, natürlich bei einem Glase Wein. Wie lange sie zusammen saßen, weiß ich nicht. – Die Glocke schlug 1 – 2 -3 - - - .

 

 

Oktober 1929

Wegen eines Zwischenfalls, der sich am 8.Dezember 1928 zutrug,

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sah ich mich als Dirigent des Vereins genötigt, meinen Posten niederzulegen. Die Begebenheit sei kurz geschildert.

Es war am 8. Dez. 1928 abends um 8 ½ Uhr eine Übungsstunde. Es sollte ein Grablied geübt werden, um bei Beerdigung des verstorbenen Mitglieds Andreas Brodam zu singen. Bei dem Üben wurde ich von zwei Mitgliedern beleidigt, deren Art sich erübrigt, hier zu schildern. Da ich mir als Dirigent des Vereins eine solche Beleidigung nicht bieten lassen durfte, ersuchte ich schriftlich den Vorstand, die beiden zur Rechenschaft zu ziehen, da es mir unter diesen Umständen nicht möglich sei, meinen Dirigentenposten weiter zu begleiten. Auf dieses Schreiben erhielt ich keine Antwort. Ich nahm mir persönlich Rat bei Herrn Schulrat Schornstein in Mayen, der meiner Ansicht recht gab, dass ich unter solchen Umständen kein Dirigent eines solchen Gesangsvereins sein könne. Somit war der Gesangsverein für mich erledigt.

 

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Chronologie

1918 Dezember. Deutsche Krieger auf dem Rückzuge aus Frankreich über den Rhein beziehen auch Quartier in Gering

1918 Dezember. Feindliche Soldaten besetzen das Rheinland. Gering erhält amerikanische Besatzungstruppen (siehe Seite 109).

1921 Heißer Sommer. Wassermangel. Große Dürre. Kolliger kamen nach Gering Wasser holen.

1923 Inflation. November 1923 eine Milliarde Papiergeld = 1 Goldmark. Scheune und Stallung des Landwirts Josef Laubenthal niedergebrannt. Kind des J.L. Georg (4 Jahre alt) verbrannt.

1928/29 Große Kälte. Fastnachtsmontag stärkste Kälte. 23 °. Wochenlang hält die Kälte an. Die alten Leute können sich nicht einer solchen Kälte erinnern. Rhein und Mosel waren längere Zeit zugefroren

1929 Am 1. Dezember wird die zweite Zone frei.

1930 1. Juli. Das Rheinland ist frei. (Befreiungsfeier).

22. Juli Reichspräsident Hindenburg besucht Koblenz anlässlich der Befreiungsfeier. Die große gewaltige Kundgebung findet einen traurigen Abschluß. Nach dem prächtigen Feuerwerk am Ehrenbreitstein drängten die Menschenmassen in die Stadt. Viele Menschen benutzen eine Brücke, die über den Kanal führt, der die Mosel und den Sicherheitshafen verbindet. Die Belastung war zu schwer und über 100 Menschen stürzten in das Wasser, wobei 40 Menschen (Männer, Frauen und Kinder) den Tod fanden.

1931 Die Wirtschaftslage Deutschlands wird immer schwieriger. Großbanken stellen Zahlungen ein. Nur durch 25% Gehaltskürzung, Steuererhöhung, neue Steuern, restlose Beitreibung der Steuern (monatl. 2 % Verzugszinsen) Beamtenabbau ist es möglich, eine neue Inflation zu vermeiden.

1932 stand im Zeichen der Wahlen. Durch die Parteikämpfe wurde eine große Unruhe in das Volk getragen. Im März und April finden die Reichspräsidentenwahlen statt. Reichspräsident Hindenburg wird wiedergewählt.

Reichskanzler Brüning wird von Reichskanzler v. Papen abgelöst. Im Juli und Oktober finden Reichstagswahlen statt.

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Bei allen Wahlen zeigte sich eine starke Zunahme der Rechtsparteien. Im November übernimmt v. Schleicher die Reichskanzlergeschäfte. Die Zahl der Arbeitslosen zeigt auf 6 Millionen. Nur durch freiwillige Spenden war es möglich, viele Familien vor Hunger und Not zu bewahren.

1933 Am 30. Januar übernimmt Adolf Hitler, der Führer der N.S.D.A.P. die Reichskanzlergeschäfte.

Im Februar zünden Kommunisten das Reichstagsgebäude an. Am 5.III ergeben die Reichstagswahlen einen vollkommenen Sieg Hitlers. Ende des Zweiten Deutschen Reiches. Der Übergang zum Dritten Reich geschieht ohne Blutvergießen.

21. III. feierliche Eröffnung des Reichstages in der Garnisionskirche zu Potsdam.

1.V. Nationaler Feiertag. Tag der Arbeit. Die Häuser sind mit Hakenkreuzfahnen und schwarz, weiß, rot, sowie in frischen Grün geschmückt. Die Schule veranstaltete eine allgemeine Dorffeier im Gasthaus Schwab.

1.X. Das Erntefest wird im ganzen Dritten Reich feierlich begangen. Festzug durch den Ort Gering.

15.X. Handwerkertag

14.X. Deutschland tritt aus dem Völkerbund aus.

12.XI. Großer Wahltag im ganzen Reich. In Gering von 168 Wahlberechtigten 162 Stimmen abgegeben. 3 Stimmen fehlten (krank), 3 ungültig, die anderen bekannten sich zur Politik Hitlers.

1934

2.8.34 Reichspräsident von Hindenburg starb in Neudeck im 87. Lebensjahr. Er fand im Tannenbergdenkmal (zu) seine letzte Ruhestätte. Ganz Deutschland war in tiefer Trauer gehüllt. Auch das Ausland und unser ehemaligen Feinde ehren den großen verstorbenen Helden des gewaltigen Völkerringen.

19. VIII. Ein neues Gesetz bestimmt, dass nach dem Tode Hindenburgs der Reichskanzler zugleich Reichspräsident, von jetzt ab Führer genannt, sei. In einer Volksabstimmung bekennen sich 38 Millionen für Adolf Hitler als Führer.

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1934 Am 25. VIII. wird der Staatsjugendtag verkündet. Erster Staatsjugendtag. Alle organisierten Knaben und Mädchen haben an den Samstagen keinen Unterricht, sondern Dienst in den Organisationen.

1935 13.I. Abstimmung im Saargebiet .90,5 % stimmten für Deutschland. Im ganzen Reich wurden begeisterte Siegesfeiern begangen.

1. III. Das Saarland kehrt zum Mutterland zurück.

16. III. Die allgemeine Wehrpflicht wird eingeführt.

21.V. Reichstagssitzung. Der Führer verkündet der ganzen Welt den aufrichtigen Friedenswillen der Regierung und der ganzen deutschen Nation.

Neue Gesetze vom Reichsparteitag September 1935:

1. Die Reichsfarben sind: schwarz, weiß, rot.

2. Die Reichsfahne ist die Hakenkreuzfahne.

3. Es gibt Staatsangehörige u. Reichsbürger. Ein Jude kann nicht Reichsbürger sein. Ehen zwischen Deutschen und Juden sind verboten.

1936

Am 7. III 1936 rücken die ersten deutschen Truppen in das entmilitarisierte Rheinland und Jubel überall. Koblenz, die alte Garnisionstadt, erhält wieder Militär.

29. III 36 Neuwahl des Reichstages.

Von 45 431 102 Wahlberechtigten = 44 954 987 = 99 % ihrer Wahlpflicht; davon 44 411 911 für den Führer = 99 %.

Im Wahlkreis Koblenz-Trier = 99,3 % für Hitler.

In Gering 178 Wahlberechtigte, alle ihr Wahlrecht ausgeübt; 2 Stimmen lauteten mit nein.

23. VIII 36 verkündigt der Führer die zweijährige Dienstzeit des Militärs. In Gering ziehen die ersten Rekruten zu den Soldaten. Alte Bräuche werden wieder lebendig. Am Abend vor der Musterung werden Eier im Dorf gesammelt; diese in der Wirtschaft Schwab backen lassen, dazu einige Glas Bier als Abschiedsmahl (Man kann damit auskommen; die beiden ersten Rekruten 1936 sammelten 78 Eier, sicherlich genug für 2 ausziehende Rekruten).

 

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b. Traurige Ereignis

Am 17. Mai 1897 schlug der Blitz in das Anwesen des Seb. Faber (No. 29). Er richtete Schaden am Dach der Scheune an und tötete zwei Stücke Rindvieh. Glücklicherweise war alles bei der Provinzial-Versicherung versichert, so dass dem Betroffenen kein großer Schaden erwuchs.

Am 20.2.97 verunglückte der Ackerer Nikolaus Reichert (No.  ) auf schreckliche Weise. Beim Abspannen der Pferde in der Dunkelheit lief eines auf die Straße. Der Mann ging nach, stellte sich mit der brennenden Laterne auf die Straße und hielt das wilde Pferd an. Dieses stieß nun mit der vollen Wucht seines Körpers gegen ihn, wodurch er rücklings fiel und mit dem Haupte schwer auf´s Straßenpflaster schlug. Dabei zog er sich eine schwere Gehirnerschütterung zu und starb, ohne dass Bewusstsein erlangt zu haben, am zweiten Tage darauf.

Am 13.12.98 verunglückte der Schieferbrecher Pet. Luxem von hier (No. 1) in der Rathscheekschen Schiefergrube bei Mayen. Beim Losgehen eines Schusses wurden dem überaus starken Jüngling Kopf und Nacken durch losgelöste Steinmassen furchtbar beschädigt, so dass er nach Mayen ins Hospital gebracht werden musste und dort nach 6 Stunden verstarb, ohne das Bewusstsein wieder erlangt zu haben. Zur Beerdigung hier hatten sich von der erwähnten Grube der Besitzer, die Beamten und die Arbeiter vollzählig eingefunden, um dem Dahingeschiedenen das letzte Geleit zu geben.

Am       brannte die Scheune des Ackerers Joh. Schwab (S. v. Nik.) Nr.   teilweise ab. Den Bemühungen der Bewohner von Gering u. Umgebung gelang es, das Feuer auf seinen Herd zu beschränken. Der Schaden

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wurde durch Versicherungen gedeckt.

Am 21. Juni 1909 wurde der Jüngling Jos. Schuwerack von hier in der Ausübung seines Berufes als Hauer in der Schiefergrube Antoniusschacht (Gewerkschaft Dellhofen II) durch herabstürzendes Gestein derartig getroffen, dass er sofort tot war. Zahlreich war die Beteiligung seiner Mitarbeiter aus Gering u. der Umgegend am Begräbnisse.

 

 

Nachtrag

Leiden des Amtes Münstermaifeld während einiger Jahre der 30 jährigen Krieges

(Aus den Rhein. Geschichtsblättern. 2. Jahrgang (etwa 1898 oder 99) v. Oberlehrer Dr. Bodewig, Oberlahnstein)

 

Im Frühling des Jahres 1636 sammelten sich ein beträchtliches Kaiserlich-bayerisches Heer unter dem General Götz an der Mosel u. dem Rhein, um den Schweden und Franzosen die einzigen ihnen am Mittelrhein gebliebenen Plätze: Coblenz, Ehrenbreitstein u. Lahnstein zu entreißen. Lahnstein u. Coblenz fielen bereits 1636. Die Feste Ehrenbreitstein dagegen erst im Jahre 1637. Der General Götz nahm sein Hauptquartier zunächst in dem wohlhabenden Amt Münstermaifeld und der bayrische Oberst Fritsch rühmt in seinem Tagebuch (mitgeteilt von Westenrieder, Historischer Kalender München 1810) die trefflichen Quartiere, die er dort gefunden. Was aber die unglückliche Gegend infolge der Durchmärsche u. Einquartierungen zu erleiden hatte, und wie die einzelnen Orten in kurzer Zeit dem vollständigen Ruin anheimfielen, das schildert der Stadtschreiber von Münstermaifeld mit trockenen Zahlen

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und durch die Gegenüberstellung von „Einst und Jetzt“ ergreifender als die Feder der besten Schriftsteller es vermocht hätten. Dabei erfahren wir zugleich, in wie glücklichen Verhältnissen die Gemeinden des genannten Amtes vor dem Jahre 1636 lebten und nicht alle werden heute den gleichen Reichtum an Vieh aufweisen können (so schreibt Bodewig).

In folgendem wird die Aufzeichnung für einige Gemeinden unserer Umgebung mit den Worten des Stadtschreibers von Münstermaifeld gegeben:

Designation

Der durch die kurtrierische Einquartierung und Kontributionen, auch Plünderungen dem Amt Münstermaifeld, Cobern und Alken verursachten Unkosten und Schaden, samt dabei kontrohierter Schulden.

Kollig (Collig) Reichsthaler

Goltische Einquartierung   400

Götzische Einquartierung und Kontribution  500

Bliestedische Einquartierung und Reiterschaden  1 484 ½

Kontrahierte Schulden  800

          Summa  3 184 ½

Anno 1632 an  Bürgern in Kollig gewesen  27, jetzt  4

 Pferden 24,  1

 Kühen 70, 0

 Schafen 300, 0

 Schweinen 75, 0

Bei dem Dorf Kollig schreibt der Stadtschreiber: „und ist fast nichts gesäet noch gebauet“.

Gering Reichsthaler

Goltische Einquart.   350 an Bürgern 17, jetzt 5

Götzische    u. Kontr.  400  Pferden 18,  2

Bliestedische und    Kühen 50,  2

Reiterschaden  1.260  Schafen 340,  0

Kontrah. Schulden  700  Schweinen 60,  2

          Summa 2.660

 

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Einig (Inich) Reichsthaler

Goltische Einquart.   300 an Bürgern 10, jetzt 3

Götzische    u. Kontr.  400  Pferden 16,  2

Bliestedische und    Kühen 36,  3

Reiterschaden  820  Schafen 300,  0

Kontrah. Schulden  600  Schweinen 70,  0

          Summa 2.120

 

Mertloch Reichsthaler

Goltische Einquart.   3000 an Bürgern 60, jetzt 19

Götzische    u. Kontr.  4000  Pferden 73,  17

Bliested.  7000  Kühen 300,  12

Werthische Drag.  400  Schafen 1000,  0

Kontrah. Schulden  1400  Schweinen 400,  20

          Summa 15.800

 

Polch Reichsthaler

Goltische Einquart.   2300 an Bürgern 125, jetzt 60

Götzische    u. Kontr.  9010  Pferden 90,  20

Bliested. 11311  Kühen 300,  10

Werthische Drag.  3000  Schafen 2600,  0

Kontrah. Schulden  2000  Schweinen 600,  20

          Summa 27.621

 

(In gleicher Weise werden die anderen Orte angeführt.)

Das ganze Amt M.Maifeld mußte 262.298 Reichsthaler bezahlen.

Aus Johannes Saneck, Stadt- und Hochgerichtsschreiber zu Münstermaifeld.

              • Gering, 4.11.11 Pies, Lehrer.
  • Seite

1936

Im Jahr 1920 wurde den gefallenen Helden des Weltkrieges 1914/18 ein schlichtes Ehrenmal durch den hiesigen Junggesellenverein auf dem Friedhof errichtet. Aus verschiedenen Gründen wurde die Abänderung und neue Platzfrage des Denkmals im Jahre 1935 durch die Gemeindevertretung in Bearbeitung genommen. Die Namen der Gefallenen waren auf drei Zahlen, von denen zwei an den Seiten des Denkmals, an nicht sichtbaren Stellen angebracht waren, eingetragen. So konnte leicht die Meinung entstehen, es seien nur vier Söhne aus Gering den Heldentod gestorben. Durch seine ursprüngliche Aufstellung auf dem Friedhof, gleich am Eingang links, angelehnt an das Haus Reichert Andreas Ww., überschattet von Efeu und einem Kastanienbaum, war der Gedenkstein, aus Brohlerstein hergestellt, leicht der Verwitterung preisgegeben. Durch freiwillige Spenden bei den Dorfeingesessenen konnte ein Betrag von RM 155 (vorläufige Sammlung) aufgebracht werden, so dass dem Ehrenmal ein würdiger Platz gegeben werden konnte. Alles andere ist aus der Urkunde, die im Denkmal eingemauert wurde, ersichtlich. Die feierliche Einweihung fand am Kirmesmontag, den 21. September 1936 nachmittags 2 Uhr statt. Eine stattliche Anzahl Männer hatte sich pünktlich an der Wirtschaft Schwab eingefunden. Im schneidigen Marsch ging es durch das Dorf zum Vorplatz an der Kirche. Lehrer Decker hatte ein feierliches Programm zur Einweihung zurechtgelegt. Groß u. Klein hatte sich auf dem Platze eingefunden. Kräftig erklangen in vollem Akkordion feierliche Orgelweisen, die überleiteten in das Lied „Wir treten zum Beten„. Und nun zog an unserem Auge geistig wieder lebendig geworden unserer toten Helden Lebenskampf vorüber. Auszug der Krieger von der Heimat; Im Kampf um Heimat u. Vaterland; Tod unserer Helden; waren die Gedanken, die uns jene Tage nochmals erleben ließen, doch nicht als Trauer und Leid, sondern ihre Krönung fanden in Dank, den wir unseren Helden zollen. Weil unser Inneres, des Dankes voll mitschwang, gaben wir alle unser Bestes bei der Feier her. Besonders seien erwähnt die Darbietungen der Schulkinder in Lied und Gedicht, zwei Kriegskameraden: Anton Hoffmann und Johann Böhr sprachen Worte der ausziehenden und sterbenden Krieger, Dankesworte waren es, die Amtsbürgermeister Pg Haustein seiner Ansprache zugrunde legte. Für alle Anwesenden war die Feier ein tiefes Erleben.

Nun wird bald der Denkmalplatz durch Blumenanlagen verschönt und eine Mauer schützend den Platz unserer Toten des Weltkrieges umgeben; es wird werden zur Zierde unseres Dorfes.

Dem lebenden Geschlecht eine Stätte der tiefen Besinnung, den kommenden Geschlecht eine Stätte des Dankes und der Mahnung.

 

 

 

Am 9.Juli 1935 starb im wohlverdienten Ruhestand Herr Lehrer Johann Anton Pies. Vom 3. Dezember 1889 bis 22. Oktober 1925 wirkte er als Lehrer in Gering. Gering wurde ihm zur zweiten Heimat. Von seinen Kindern haben zwei sich dem Erzieherdienst gewidmet. Der Verstorbene war ein echt deutscher Lehrer und der Jugend ein Vater der Erziehung. Darum werden auch alle ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Das ganze Dorf beteiligte sich bei der Beerdigung. Der Kirchenchor sang dem lieben Verstorbenen ein feierliches Requiem. Die Gemeinde, die Schulkinder und der Kirchenchor legten als äußeres Zeichen ihrer inneren Achtung und Hochschätzung für den Abgeschiedenen Kränze auf das Grab. Ein Sprechchor der Schulkinder war Dank und Liebe der Schule. Der Ortsgeistliche Vikar Weigand gedachte in seiner Grabrede des Lehrers und Erziehers.

Herr gib ihm die ewige Ruhe.