Wegekreuz Gering

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Mein Lebensweg von Joseph SCHWAB 1942
Schulchronik Teil 1

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I. Teil die Schule betreffend.

1. Kapitel: Äußeres:

a. Schulbezirk

Zu Anfang dieses Jahrhunderts erhielten die Kinder von Gering nur im Winter Unterricht. Aus Mangel an einem Lehrer mußten sie sich über Feld nach anderen Orten begeben, um da unterrichtet zu werden. Sie besuchten die Schulen in Mertloch und Kehrig. Später bildeten Einig und Gering zusammen einen Schulbezirk, und zwar unterrichtete zuerst Lehrer Weber aus ...... und dann Lehrer Maid aus Trimbs die Schüler aus beiden Ortschaften zusammen. Dieses geschah abwechselnd eine Woche in Gering auf dem Backhause und die andere in Einig in einem ähnlichen Lokale. Dann wurden beide Schulen getrennt, und Gering bildete von da ab einen eigenen Schulbezirk. Die Stelle wurde 1836 von Lehrer Rech aus Altlay (Kreis Zell) besetzt. Lehrer Rech war 47 Jahre Lehrer in Gering.

Gering, den 21.10.26

Die Herbstferien 1883 waren beendet. Herr Lehrer Caratiola aus Heimbach-Weiß hatte die Ernennung der freien Lehrerstelle zu Gering erhalten. Seine Wirkungszeit dauerte doch nur drei Jahre. Ein Tausch mit Herrn Lehrer Wilhelm Krappen versetzte ihn in ein neues Wirkungsfeld nach unserem Nachbarorte Kehrig. Herr Lehrer Krappen, unser neuer Lehrer, wurde zu Altmühl bei Ratheim Kreis Heinsberg geboren. Auch die

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Wirkungsdauer des Herrn Lehrer Krappen sollte nicht die Amtszeit seines Vorgängers übertreffen; denn auch er schied nach dreijähriger Dienstzeit von hier, um seinem Wunsche entsprechend, sich aus dem staatl. Lehrerberuf zurückzuziehen. Kemperhof bei Koblenz war das Feld seiner weiteren Betätigung. Er wurde hier Lehrer an der städtischen Schule und dem angegliederten Waisenhaus.

Die nun verwaiste Schule wurde durch den Nachbarlehrer Herrn Zimmer vom 1.Okt.1886 – 15.Dez.1889 verwaltet. Durch Herrn Lehrer Pies erhielt die hiesige Schule ihren neuen Leiter. Ihm war es vergönnt lange Zeit, fast ein Menschenalter in dem ihm anvertrauten Orte als Erzieher und Lehrer, durch Einsetzung seiner ganzen Kraft und Energie, durch Hingabe seiner ganzen Persönlichkeit, seinen Beruf voll und ganz zu erfüllen. Wohlverdient konnte darum auch Herr Lehrer Pies am 1.Januar 1926 nach einer 36jährigen treuen und pflichterfüllten Arbeit aus seinem lieb gewonnenen Beruf scheiden, um seinen Lebensabend im Ruhestand zu beschließen.

Gering, im November 1926

Der Nachfolger des ausgeschiedenen Herrn Lehrer Pies ist der jetzige Inhaber der Stelle. Am 1.Oktober 1925 wurde mir die Vertretung der Lehrerstelle an der kath. Volksschule zu Gering übertragen. Genau nach einem Jahr Vertretung wurde ich an der freigewordenen Lehrerstelle zu Gering einstweilig angestellt. Ab 1.Sept.29 ist jetziger Inhaber endgültig hier angestellt.

Gering, den 6. I. 1940

Der Lehrer Karl Decker wurde am 6. I. 1940 an die Volksschulen in Spessart-Hannebach (Amt Kempenich, Krs. Mayen) abgeordnet.

Gering, den 17. IV. 1940

Der Lehrer Karl Decker scheidet mit Wirkung vom 17. IV. 1940 aus dem Volksschuldienst und übernimmt nach

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bestandener Staatsprüfung für das Lehramt an landwirtschaftlichen Berufsschulen eine Stelle als Berufsschullehrer im Kreis Mayen (die Ämter Polch und Münstermaifeld).

Gering, den 16.8.1943

Nun blieb die Lehrerstelle in Gering über drei Jahre unbesetzt. Viele Lehrer waren zum Kriegsdienst einberufen worden, so daß ein großer Lehrermangel besteht. Vom 6. I. 41 bis 25.6.41 hatte der Lehrer Marx von Kollig die Vertretung an der Schule in Gering. Da dieser nach Kürrenberg-Reudelsterz beordert wurde, erhielt der Lehrer Schwobe von Einig den Auftrag, die Schulstelle von Gering mit zu verwalten. Vom 26.6.41 bis 31.10.41 besuchten die Kinder von Gering die einklassige Schule in Einig. Alsdann kam Herr Schwobe jede Woche an 3 Tagen nach Gering u. erteilte hier den Vertretungsunterricht.

Die Schule in Gering hat also über 2 ½ Jahre keinen eigenen Lehrer gehabt.-

Am 16.8.1943 übernahm auf Verfügung der Regierung zu Koblenz der Lehrer Simon Schneider aus Düsseldorf im Alter von 67 Jahren die Lehrerstelle in Gering, nachdem er beinahe schon 5 Jahre im Ruhestand gelebt hatte.

Von Oktober 1944 bis Ende 1945 war infolge der kriegerischen Ereignisse kein Schulunterricht. Die Schule war von deutschen und amerikanischen Truppen belegt.

Ab Januar 1946 bis zum 8.9.1946 hatte der Lehrer Marx von Kollig die Vertretung. Die Kinder hatten an 3 Tagen der Woche Unterricht.

Am 8.9.1946 wurde durch die Regierung Koblenz Herrn Heinrich Kolping die Lehrerstelle übertragen. Vom 8.9.46 ab ist wieder normaler Unterricht.

Am 1.3.1949 wurde Herr Kolping durch Verfügung der Regierung Koblenz an die Clemenssschule, Mayen berufen. Vom 15.3. – 1.9.49 hatte Herr Lehrer Schwobe die Vertretung an der hiesigen Schule.

 

 

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b. Schullokal und Lehrerwohnung

Die Schulgemeinde Gering hatte vor dem Jahre 1839 kein besonderes Schullokal. Als Klassenzimmer diente ein Lokal im zweiten Stockwerke des Gemeinde-Backhauses, welches aber in keiner Weise den Anforderungen eines geeigneten Schullokales entsprach. Lehrer Rech, der 2 Jahre dort unterrichtete, versicherte oft, daß, wenn im Erdgeschoße des betreffenden Gebäudes Brot gebacken wurde, der Rauch dann oft durch Fugen und Ritzen des alten schlechten Gebäudes in´s Unterrichtslokal drang, so daß er genötigt war, den Unterricht abzubrechen. Der Lehrer mietete sich irgendwo im Orte Wohnung zu Anfang. Im Jahre 1839 wurde mit dem Bau eines Schulhauses begonnen, welches 1839 soweit fertiggestellt war, daß es seiner neuen Bestimmung übergeben werden konnte. Das Schulhaus liegt am nordwestlichen Ende des Dorfes an der Straße, die nach Kehrig führt und wurde im Jahre 1892 durch einen Anbau vergrößert. Das ursprüngliche Gebäude ist zweistöckig und von Bruchsteinen erbaut. Der Schulsaal liegt im zweiten Stockwerke, ist 35,56 qm groß und hat 4 Fenster. Er ist ziemlich geräumig und hell. Außerdem enthielt das Haus als Lehrerwohnung nebst einem schönen Boden und Keller ein Zimmer von 18,24 qm, ein solches von 6,16 qm und eine Küche von 8,96 qm Flächeninhalt, so daß also der Lehrer nur einen Raum von 33,36 qm als Wohnung besaß. Lehrer Krappen ließ die Küche als Wohnzimmer einrichten. Später wurden die zwei kleinen Zimmer in eins verwandelt. Da der Wohnungsraum

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zu klein war, so drang die Königl. Regierung im Jahre 1883 darauf, einen Anbau herzustellen. Der zuerst aufgetauchte Plan, auf dem Speicher zwei Mansardenzimmer und auf dem Gange neben dem Schullokale ein Zimmer einzurichten, dagegen die Küche als Anbau einstöckig zu erbauen, wurde verworfen. Dagegen wurde der Plan festgesetzt, neben dem ursprünglichen Gebäude im Schulhofe einen Anbau aus Backsteinen mit zwei Stockwerken herzustellen, der vier Räume hat, und zwar im Erdgeschoß eine Küche mit einer daran stoßenden Vorratskammer und im zweiten Stocke entsprechend zwei Zimmer. Die Gemeindevertretung bat die Königl. Regierung mehrmals, daß zu erlauben, mit dem Bauen warten zu dürfen, bis ein Teil der Bausumme gesammelt sei, zumal ja auch noch nicht die unbedingte Notwendigkeit (noch nicht) vorläge, da die Stelle mit einem unverheirateten Lehrer besetzt sei. Die Königl. Regierung ging auf diese Bitten ein, und so unterblieb die Vergrößerung des Schulhauses bis zum Jahre 1891. Die Lehrerwohnung enthält jetzt, nachdem der Anbau nach dem im Jahre 1883 festgesetzten Plan ausgeführt ist, nebst zwei Speicher und einem Keller im ganzen sechs Räume mit 65 qm Flächeninhalt. Unter diesen sechs Räumen sind a.) ein Zimmer im ursprünglichen Gebäude mit 18,24 qm und 2 Fenster; b.) ein solches in demselben Haus mit 15,12 qm (früher Küche und Schlafzimmer) und 2 Fenster; c.) eine Küche im Anbau mit 11 qm und 2 Fenster; d.) ein daran stoßendes Vorratslokal mit 4,50 qm und 1 Fenster; e.) im zweiten Stocke des Anbaus

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ein Zimmer mit 11 qm und 2 Fenster und f.) daneben ein kleineres Zimmer mit 4,50 qm und 1 Fenster. Gleichzeitig mit der Vergrößerung des Schulhauses wurde auch ein Ökonomiegebäude von Ziegelsteinen errichtet, dasselbe hat einen Kuhstall, einen Schweinestall mit Futtergang und einen Raum zum Aufbewahren des Holzes. Über diesen Räumen ist ein Raum zum Aufbewahren von Futter eingerichtet. Im Schulhofe stehen ferner die Aborte, deren es drei sind.- Hinter dem Ökonomiegebäude befindet sich ein kleines Schulgärtchen in einer Größe von ungefähr 1 a. Die Bausumme für den Anbau betrug ungefähr 2400 M. und für das Ökonomiegebäude 1350 M.- Von der Straße aus führt ein Weg in den Schulhof und am Schulgarten vorbei; derselbe gehörte früher Matth. Ackermann und Matth. Faber II von hier und wurde nur von diesen genutzt, um in ihre hinter dem Schulgarten gelegenen Äcker zu gelangen. Wurde er nicht mehr gebraucht, dann säten die Eigentümer ihn ein. Die Gemeinde kaufte im Jahre 1891 den Weg zum Preise von 52 ½ M pro a mit folgenden Bedingungen: Der Weg dient von jetzt ab als Eigentum der Gemeinde  dem Lehrer zur Benutzung und den Kindern als Spielplatz. Verkäufer können ihn benutzen, dürfen ihn aber nicht mehr bepflanzen.

Was die Reinigung und die Heizung des Schulzimmers betrifft, so fand Inhaber der Stelle beim Antritt derselben im Jahre 1889 vor, daß die größeren Schulkinder dieses besorgten. Das Aufputzen des Bodens und Abwaschen der Fenster geschieht im Sommer alle 4

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und im Winter alle 5 Wochen durch eine größere Person (Frauenzimmer) aus dem Orte. Bis zum Jahre 1868 wurde das Schullokal mit Holz geheizt, und zwar erhielt der Lehrer dafür 10 Raummeter (3 Klafter) Scheitholz. Seit dieser Zeit wird der Schulsaal mit Kohlen geheizt und wurden zu diesem Zwecke von der Gemeinde jährlich 11 Malter Kohlen und 50 Reiserrollen geliefert.

Im Jahre 1907 wurde von der Königl. Regierung bestimmt, daß, um die Staubentwicklung immer mehr zu verhindern, der Schulsaal jede Woche 2mal naß aufgeputzt werden sollte. Diese Verordnung stieß wegen der Ausführungskosten auf Widerstand bei der Gemeinde. Im Jahre 1909 wurde ein staubbindendes Fußbodenöl zum Ölen des Fußbodens im Schulsaale sowie zum Ölen der Treppen eingeführt, wodurch der Staubentwicklung viel Einhalt getan wurde. Mit diesem Öle wurden seither die erwähnten Böden, nämlich die im Schulsaale, auf dem Gang, sowie alle hölzernen Treppen 5 mal im Jahr (in den Ferien) geölt. Täglich wurden die Böden ausgekehrt. Eine gründliche Reinigung geschieht ebenfalls 5 mal im Jahre, nämlich dann, wenn geölt werden muß. Das erwähnte Öl hat sich gut bewährt. Für alle Arbeiten des Reinigens, des Ölens sowie des Feueranmachens im Winter zahlt die Gemeinde 90 M pro Jahr und stellt das Fußbodenöl.

Auf Antrag des Lehrers wurde der Schulhof im Jahre 1908 mit einem Lattentor versehen.

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Durch die Zunahme der Schulkinder erweist sich der Schulsaal als viel zu klein (35 qm). Darum hat die Kgl. Regierung die Gemeinde um Abhilfe dieses Übelstandes angegangen und zwar in Gestalt eines Neubaus eines Schulsaales. Der alte Schulsaal soll dann, da die Wohnungsverhältnisse des Lehrers sich auch zu klein erweisen, als Wohnzimmer eingerichtet werden. Vorläufig ist soll in der Sache ein Stillstand eingetreten sein bis zum Jahre 1915.

Im Frühjahr des Jahres 1914 wurde von seiten der Gemeinde von den 3 Besitzern der Äcker, von den 2 an das Schulgärtchen grenzen, 5 – 6 a angekauft zwecks Neubau eines Schulsaales mit Anlegung eines Turn- und Spielplatzes. Die Quadratrute soll 18 M kosten.

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Leider mußte dieser Plan noch bis zum heutigen Tage zurückgelegt werden, da durch den Weltkrieg und dessen Folgen von dem Plan Abstand genommen werden mußte. Dennoch bleibt die Nötigkeit betreffs der Ausführung des Bauobjektes bestehen. Hoffentlich wird die Ausführung bald zur Wirklichkeit, da jetzt langsam die Wunden des zerstörenden Krieges behoben werden, wird ein diesbezügl. Neubau wohl nicht mehr in allzu großer Entfernung stehen.

Im Jahre 1943 wurde die Wohnung durch Herrn Lehrer Schneider bezogen.

Nach dessen Auszug wurde die Wohnung im Jahre 1946 mit Evakuierten aus Koblenz belegt.

Als im September 1946 die Lehrerstelle Herrn Kolping übertragen wurde, ließ das Wohnungsamt Polch die Wohnung bis zum 15.10.46 räumen. Sie wurde behelfs-

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mäßig in Ordnung gebracht. Das Dach ist an mehreren Stellen undicht und soll in Ordnung gebracht werden. Im Laufe der Monate stellte sich heraus, daß die Zimmer ohne Keller sehr feucht sind.

Im Laufe der Zeit stellten sich folgende wesentliche Mängel heraus:

1. Die äußere, fensterlose Wand in der Küche ist naß. Der Putz wird immer mehr zerfressen. Grund: Der Waschtrog ist abgefroren und das Wasser läuft zwischen Trog und Wand.

2. Das große Zimmer hofwärts ist feucht trotz dauernder Entlüftung. Die Betteile müssen namentlich in der nassen Jahreszeit am Ofen getrocknet werden.

3. Bei meinem Einzug im Oktober 1946 wurden nur die Wände und Decken gestrichen. Die Türen, Fenster, Fußleisten und die Wände des Flures wurden nicht gestrichen. Infolgedessen wurden die an den Fenstern bereits vorhandenen Schäden wesentlich größer. Die Fensterläden an Küche und großem Zimmer hofwärts sind in einem solchen Zustande, daß sich eine Reparatur nicht mehr lohnt.

Im Jahre 1947 wurden alle Schäden von mir gemeldet und auch vom Herrn Amtsbürgermeister und vom Amtbaumeister durch eine Besichtigung bestätigt. Aber es geschah nichts.

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C. Schulstiftungen

Die Schule zu Gering besitzt keine eigentliche Schulstiftung. Dagegen erhalten die Kinder solcher Eltern, deren häuslichen Verhältnisse es notwendig machen, aus einem gewissen „Armenfond“, der aus Mertloch stammt, sämtliche Schulsachen.

Das geschieht in folgender Weise: Am Schluß des Schuljahres werden von der Gemeindevertretung die Familien bestimmt, bei denen die Unterstützung angebracht ist. Der Lehrer bezeichnet dann dem Bürgermeister-Amt die schulpflichtigen Kinder dieser Familien nebst den Lernmitteln, die diese Kinder im kommenden Schuljahr ungefähr gebrauchen und das Bürgermeister-Amt besorgt die Schulsachen. Durchschnittlich erhalten 20 – 25 Schulkinder ihre Schulsachen aus dem sog. Armenfonds. Die Ausgaben dafür betragen jedes Jahr 50 – 55 M.

Im Jahre 1910/11 wurden 24 Kinder bestimmt, die ihre Schulsachen aus dem sog. Armenfonds erhielten.

Diese Armenstiftung besteht für die frühere Pfarrei Mertloch, nämlich Mertloch, Collig, Einig u. Gering. Sie stammt von einem gewissen Freiherrn v. Schnetz aus Mertloch, der seinen Bruder ermordet haben soll u. aus Reue darüber sein Vermögen den Armen der Pfarrei verschenkte. In der letzten Zeit bis 1910 trug die Stiftung jährlich ungefähr 2800 M ein, die unter die Dörfer der früheren Pfarrei nach Verhältnis der Seelenzahl verteilt werden.

Weiter darüber siehe S. 141.

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Diese Armenstiftung besteht zwar noch; aber ihre Nutzbarmachung für Schulzwecke ist mir unbekannt. Durch Befragen bei Herrn Lehrer Pies erfuhr ich, daß die Schulstiftung (Bücher, allgemeine Lernmittel für bedürftige Schulkinder) schon seit einigen Jahren nicht mehr besteht. Sicherlich ist auch hier eine Folge des Krieges zu erblicken, da die Inflation der Nachkriegszeit die zinsbringenden Kapitalien des vermachten Armenfonds vernichtete.

Mai 1928

Nach Rücksprache mit Herrn Vorsteher Ackermann kann aus dem Armenfonds, der noch besteht, armen Kindern wieder Lernmittel zur Verfügung gestellt werden.

Mai 1934

In den Jahren 1929/30/31/32/33 konnte den armen Kindern aus dem Armenfonds Lernmittel zur Verfügung gestellt werden. Im Jahre 1934 wurde dies abgelehnt, obwohl eine Belieferung durch den Dorfschulzen Parteigenosse Bantes genehmigt war.

Sept. 1935

Auch in diesem Jahr wurden keine Schulkinder mit Lernmitteln aus dem genannten Fonds beliefert.

Oktober 1936

Auch in diesem Jahr wurden der Schule keine Mittel aus besagtem Fonds zur Beschaffung von Lernmitteln für bedürftige Schulkinder überwiesen.

Oktober 1937

Nach Angabe des Bürgermeisters werden aus der Armenstiftung keine Mittel zur Beschaffung für Lernmittel bedürftiger Kinder mehr bewilligt.

 

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d. Lehrergehalt

Das Gehalt des Lehrers war zu früheren Zeiten nach unseren heutigen Begriffen nur ein sehr niedriges. Wie ich in Erfahrung gebracht, trat Lehrer Rech im Jahr 1836 die Stelle mit einer Besoldung von 60 Thlr an. Königl. Regierung machte mehrmals die Mitteilung an die Gemeinde im Laufe der Jahre, das Gehalt des Lehrers zu erhöhen. Auch Lehrer Rech richtete aus denselben Gründen verschiedene Gesuche an die Gemeinde, was aber wenig Erfolg hatte. Sitzung der Gemeindevertretung vom 2.2.48. Ein Gesuch des Lehrers Rech um Bewilligung einer Vergütung für Heizung und Reinigung des Schullokals wird abgelehnt.

Sitzung vom 6.2.55. Einer Verfügung der königl. Regierung vom 25.8.54, das Lehrergehalt zu erhöhen, wird nicht entsprochen wegen Mangel an Mitteln. Die Stellenzulage betrug damals 15 Thlr. Verfügung der königl. Regierung vom 14.11.55 an die Gemeinde wegen Erhöhung des Lehrergehaltes. Ablehnung der Erhöhung in der Sitzung vom 28.1.56. Gleichzeitig wurde auch das Gehalt für eine Industrielehrerin nicht genehmigt. Einer Verfügung des Landrates an die Gemeinde, das Lehrergehalt um 10 – 15 Thlr zu erhöhen, wird in der Sitzung vom 28.4.56 nicht entsprochen. Durch Verfügung der königl. Regierung vom 16.3.57 wurde das Gehalt des Lehrer Rech um 15 Thlr erhöht und der Betrag aus der Gemeindekasse angewiesen. Die Besoldung betrug jetzt 115 Thlr. Die Besoldung des Lehrers stieg im Jahre 1874 auf 900 M. Beim Antritt der Stelle durch den jetzigen Inhaber setzte sich das Gehalt des Lehrers folgendermaßen zusammen: 1.) Schulgehalt mit Vergütung für den eigenen Brennbedarf (60M) = 897 M.

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2.) Benutzung des Schulgartens = 3 M. 3.) Gehalt aus den Kirchendiensten = 30 M. Sa. = 930 M. Der Mietwert der Dienstwohnung ist zu 75 M festgesetzt. Nach einer Mitteilung der königl. Regierung vom 12.8.93 an die Gemeinde um Erhöhung des Gehaltes um 150 M beschloß die Gemeindevertretung in der Sitzung vom 18.9.93 in diesem Sinne. Die Besoldung des Lehrers beträgt von da ab 1050 M als Schulgehalt, nämlich 1047 M bar und für Benutzung des Schulgärtchens sind 3,00 M. angesetzt, und 30 M als Gehalt aus den Kirchendiensten. Sa 1080 M. Gleichzeitig wurden mit Einwilligung des Stelleninhabers die niederen Kirchendienste vom Schuldienste getrennt.- Die Stellenzulagen aus der Regierungshauptkasse zu Coblenz betrug für Gering bis zum Jahre 1891 neben den 500 M, die jede Gemeinde für einen Alleinstehenden  oder ersten Lehrer erhält, 480 M, wurde dann auf 240 M und im Jahre 1895 auf 150 M reduziert.

Das Einkommen des Lehrers aus den Kirchendiensten, sowie die Pflichten desselben in der Kirche wurden durch einen Vertrag festgesetzt, der zwischen dem Kirchenvorstande und dem Lehrer Pies abgeschlossen wurde.

Derselbe lautet folgendermaßen:

Auf Antrag des Pfarrers Kettenhofen überträgt der unterzeichnete Kirchenvorstand dem neuernannten Lehrer Pies zu Gering den Küsterdienst an der Kapelle zu Gering und wird zu dem Ende folgender Vertrag zwischen Kirchenvorstand und Lehrer aufgestellt.

I.

Der Kirchenvorstand überträgt dem Lehrer Pies den Küsterdienst in folgender Weise und garantiert ihm in barem Gelde für die Küsterobliegenheiten aus dem Fonds der Kapelle zu Gering:

a.) Für seine Dienstleistungen bei Absolvierung

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der gestifteten Lesemessen (Braunschädel 0,40 M,

Laubenthal 0,40 M, Krechel 0,40 M und Joh. Schaub 0,75 M)  = 1,95 M

Der gestifteten Anniversarien (Faber 0,30 M,

Weber 0,50 M und Meurer 0,60 M)  = 1,40 M

Des Stifts-Annivers. Joh. Braunschädel 0,75 M,

des Stifts Annivers. Ant. und Barb. Schwab 1,00 M  = 1,75 M

 Sa 5,10 M

b.) Als Vorbeter bei den Andachten in der Kapelle

an Sonn- und Feiertagen  = 12,00 M

c.) Gemäß Verfügung Bischhöfl. Behörde vom 20.8.32 und dem Beschluß des Kirchenvorstandes vom 29.4.74 für sonstige Dienstleistungen bei Austeilung der h. Kommunion in der Kapelle,  Herbeischaffung des Wassers und Salzes zur Segnung, Abstauben des Altars, Besorgung der Paramente  und der Leinwand  = 12,60 M

Also Gehalt aus dem Kapellenfonds  = 29,70 M

d.) An Kasualien wird der Lehrer als Küster jährlich

etwa zu ziehen haben im ganzen  9,00 M

und zwar sollen die Gebühren für die einzelnen Dienstleistungen spezifiziert folgende sein

1.) Bei Beerdigungen großer Leichen  = 1,00 M

2.) Bei Einsegnung kleinerer Leichen in der Kapelle  = 0,50 M,

3.) Bei Begräbnisläuten ad 1  = 0,25 M

Bei Begräbnisläuten ad 2  = 0,15 M

4.) Bei bestellten Singmessen

a. Seelenmesse ohne Libera  = 0,50 M

b. Seelenmesse mit Libera  = 0,70 M

c. Hochämter = 0,70 M

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II.

Der Kirchenvorstand erklärt ausdrücklich, daß er nur für die Einkünfte zu stehen habe, welche der Küster aus dem Kapellenfonds zu ziehen hat; für das richtige Einkommen der Kasualien lehnt er jedoch jede Verbindlichkeit ab.

III.

Der Küster Pies verpflichtet sich für obengenannte Saläre den Küsterdienst mit Fleiß, Aufmerksamkeit und Treue zu versehen, namentlich:

a.) Bei Absolvierung der Stifts-Sing- und Lesemessen nach Vorschrift des Pfarrers zu singen resp. vorzubeten. Im Falle der Verhinderung wird er sich durch eine geeignete Person vertreten lassen. Er hat auch vorher das Läuten zu besorgen.

b.) Bei den Andachten an Sonn- und Feiertagen nachmittags nach Angabe des Pfarrers vorzubeten und mit Gesang abzuwechseln, auch vorher das Läuten zu besorgen.

c.) Den Altar der Kapelle immer vor der Feier der heiligen Messe abzustauben, die Paramente und die Leinwand im Schranke zu versorgen und vor dem Dienst auszulegen etc., bei Austeilung der h. Kommunion in der Kapelle und in den Häusern nach der h. Messe in Gering den Pfarrer zu bedienen, zur Segnung das Wasser und Salz herbei zu besorgen.

d.) Für den Unterhalt der Lampe in der Kapelle hat der Lehrer nicht zu sorgen, so lange das Allerheiligste nicht in der Kapelle bewahrt und von der Kapelle selbst das Öl gestellt wird. Ins Belieben ist es ihm gestellt, die Lampe vor der h. Messe anzuzünden.

e.) Für Reinigung der Kapelle, der Kirchenmöbel

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und Geräte hat der Küster nicht zu sorgen. Auch hat er nicht das Ave Läuten zu besorgen, sondern nur das unter a. u. b. genannte und das Begräbnisläuten.

Mit all´ diesem soll es beim bisherigen Gebrauche bleiben.

Vorstehender Vertrag wurde von allen Interessenten unterschrieben in duplo, jedem Teile ein Exemplar eingehändigt und Abschrift ins Kirchenarchiv niedergelegt.

Nachträglich sei aber noch bemerkt, daß sich der Kirchenvorstand das Recht der Kündigung des Küsterdienstes vorbehält.

Kehrig, den 22. Juni 1890

Der Küster   Der Kirchenvorstand:

Pies, Lehrer   gez. M. Kettenhofen, Pfr.

    Gez. Hürter, gez. Kreuter

    Gez. Krechel, gez. May

    Gez. Laubenthal, gez. Faber.

 

Die Stellenzulage aus der Regierungshauptkasse für die Schule zu Gering beträgt vom 1.4.96 ab statt 150 Mark nur 120 Mark.

Durch Verfügung der Königlichen Regierung zu Coblenz fällt vom 1.4.97 ab für die Gemeinden die Stellenzulagen, also für Gering der Betrag von 120 Mark weg.

Das Gehalt der Industrielehrerin beträgt pro Jahr 45 M.

Das Königlich-Preußische Gesetz betr. das Diensteinkommen der Lehrer und Lehrerinnen vom 3.3.97 stellte folgendes inbetreff der Besoldung fest:

a. Das Grundgehalt des Lehrers darf nicht weniger als

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900 M betragen, b. Die Alterszulagen beginnen nach 7jähriger Dienstzeit in öffentlichen Schuldienste. Sie dürfen in keinem Falle weniger als für Lehrer jährlich 100 M betragen, steigend von 3 zu 3 Jahren um je 100 M bis auf jährlich 900 M. Demgemäß wurde das Gehalt hiesiger Stelle auf folgende Weise festgestellt: a. Das Grundgehalt blieb auf 1050 M. b. Die Alterszulagen wurden pro Stufe auf 120 M festgesetzt, so daß das Gehalt vom 1.4.97 ab, (das Gesetz trat in Kraft mit dem 1.4.97) nach 31 Dienstjahren auf 2130 M nebst freier Dienstwohnung steigt. Das genannte Gesetz bestimmt ferner nach § 21, daß die Zahlung des baren Diensteinkommens an endgültig angestellte Lehrer u. Lehrerinnen vierteljährlich, an einstweilig angestellte monatlich im Voraus zu geschehen hat.

Zu dem Gehalt zahlt der Staat pro Jahr 500 M (wie früher). Zur Auszahlung der Alterszulagen sind Alterszulagekassen eingerichtet. In diese zahlt der Staat für die Gemeinde pro Jahr 337 M, die genügen, um den Satz von 100 M pro Stufe zu leisten. Für die 20 M Alterszulagen, die der Lehrer mehr erhält, muß die Gemeinde aufkommen und zwar beträgt der Betrag für je 10 M = 33,7 M, also für 20 M 67,40 M. Das Grundgehalt wird an der Gemeindekasse Polch und die Alterszulagen werden an der Kreiskasse zu Mayen ausgezahlt.

Das Gehalt des Lehrers wurde laut Gemeinderats-Beschluß vom … 1898 vom 1.4.98 an auf 1050 Grundgehalt und 140 M Alterszulage pro Stufe festgesetzt.

Da die Lebensverhältnisse immer teurer wurden, machte der Lehrer ein Gesuch an die Gemeinde im Jahre 1906 um Erhöhung des Grundgehaltes auf 1200 M. Diesem Gesuch wurde durch einen

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Gemeinde-Beschluß vom 16.9.05 stattgegeben. Durch das Gesetz vom 26.5.09 wurde eine langersehnte namhafte Verbesserung des Lehrergehaltes herbeigeführt. Dasselbe bestimmte auch, daß das neue Gehalt vom 1.4.08 ab nachbezahlt werden sollte, was von allen Lehrpersonen natürlich mit Freude begrüßt wurde. Das Gehalt beträgt von da ab: Grundgehalt 1400 M, Dienstzulage 100 M, d.h. für Alleinstehende oder I. Lehrer an 2klassigen Schulen, die 10 Jahre ununterbrochen an Landschulen tätig waren, 2 Alterszulagen a 200 M, 2 a 250 M, 5 a 200 M = Sa 9 Stufen mit 1900 M; das Höchstgehalt wird erreicht mit 31 Dienstjahren.

Unsere ländlichen Wohnungen wurden zu 350 M Mietwert veranschlagt. Der Durchschnittssatz (für die Pension) des Mietwertes der Dienstwohnung für die Pensionierung ist auf 580 M festgesetzt worden.

28.10.08

Mit Einführung des Pfarrers Fondel zu Kehrig wurden die Gebühren des Lehrers Pies für die Dienstleistungen in der Kapelle anders geregelt. Von da ab erhält er: a.) für eine Totenmesse ohne oder mit Libera = 1 M b.) Hochzeitsmesse mit Trauung 1,50 M c.) Kirmesmontagsmesse 1,50 M d) Beerdigung großer Leichen mit Läuten = 1,50 M e.) Rosenkranzbeten für die Verstorbenen bei Sterbefällen (das gemeinschaftliche Beten in den Sterbehäusern fällt weg) in der Kapelle 1M also ganze Beerdigung mit 3 h. Messen = 5,50 M. Beerdigung kleiner Leichen wie früher = 65 Pf.

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Das Gehalt der Industrielehrerin wurde durch Verf. der Königl. Regierung zu Coblenz vom 1.4.14 ab jährlich auf 80 M festgesetzt.

Januar 27

Nachtrag zu dem Küster bzw. Organistengehalt

Der Nachfolger des Herrn Lehrer Pies übernimmt den Küster- und Organistendienst unter anderen Bedingungen wie vorhin Seite 33 angegeben. Die Pflichten bleiben im wesentlichen dieselben. Der Grund zwecks Abänderung der Rechte ist darin zu suchen, daß Gering seit 1922 nicht mehr Filiale von Kehrig ist, sondern mit Kollig eine Vikarie bildet.

Es wird dem Lehrer Decker Karl für Küster- und Organistendienst monatlich eine Vergütung von 15 M. gezahlt. (Seit 1. Januar 1926). Die aufgeführten Stiftungen Seite 33 sind durch die Inflation hinfällig.

Für jedes Singamt auch Seelenamt bekommt der Organist von den Leuten persönlich 1 M vergütet.

Für Begräbnis eines Erwachsenen 2 M.

Für Begräbnis eines Kindes 1 M.

Bei dem Organistengehalt ist die Leitung des Kirchenchores Cäcilia einbegriffen. Seit Januar 1926 habe ich mir einen gemischten Chor gegründet, bis zu diesem Zeitpunkt bestand nur ein weltlicher Gesangverein, der auch bei gegebenen Anlässen in der Kirche sang.

Juli 1933

Mit Wirkung vom 1. VI. 1933 ist durch Verfügung des Herrn Regierungspräsidenten die Genehmigung zur Ausübung des Küsterdienstes durch den Lehrer untersagt.

Das Organistengehalt beträgt seitdem monatlich 10 RM.

Okt. 1946

Lehrer Kolping übernimmt den Organistendienst. Beendigung am 1.10.1949

 

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2. Kapitel: Inneres

a. Schulgesetze und Verordnungen

Die Schulpflicht dauert jetzt acht Jahre. Die Aufnahme geschieht zu Ostern. Alsdann müssen diejenigen Kinder die Schule besuchen, die vor dem 1.11. desselben Jahres das 6. Lebensjahr vollenden.

Die Hauptferien des Jahres betragen sieben Wochen. Dieselben sind für hier so verteilt, daß auf die Ernteferien 3 und auf die Herbstferien 4 Wochen fallen. Die Feiertagsferien sind in folgender Weise: Weihnachten 24. incl. – 27. incl. Dezember. Ostern: Gründonnerstag incl. bis Donnerstag nach Ostern. Pfingsten: Vom Pfingstsonntag bis Freitag nach Pfingsten.

Die Zahl der wöchentlichen Unterrichtsstunden beträgt 30. Davon entfallen auf den Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag je 6 und auf den Mittwoch und Samstag je 3 Stunden. Es wird Unterricht in folgenden Fächern erteilt: Religion, Bibl. Geschichte, Perikopen u. Kirchenjahr, Lesen, Rechtschreiben, Aufsatzschreiben, Sprachlehre, Rechnen, Geometrie, Geschichte, Geographie, Naturgeschichte, Naturlehre, Singen, Schönschreiben, Zeichnen, Turnen für Knaben u. für Mädchen Handarbeit.- Der Stundenplan, wonach unterrichtet wird, ist folgender:

Montag Vormittag:

1. Stunde Religion u. Schreiben

2. Stunde Rechnen

3. Stunde Geographie

Montag Nachmittag:

1. Stunde Lesen u. Schreiben

2. Stunde Schreiben u. Zeichnen

3. Stunde Singen.

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Dienstag Vormittag:

1. Stunde Bibl. Geschichte u. Schreiben

2. Stunde Rechnen

3. Stunde Lesen

Dienstag Nachmittag:

1. Stunde Schönschreiben und Lesen

2. Stunde Geschichte und Schreiben

3. Stunde Turnen und weibl. Handarbeit

Mittwoch Vormittag:

1. Stunde Aufsatz, Ansch.-Unterricht und Schreiben

2. Stunde Rechtschreiben und Singen

3. Stunde Naturgeschichte

Donnerstag Vormittag:

1. Stunde Religion und Schreiben

2. Stunde Rechnen

3. Stunde Geographie

Donnerstag Nachmittag:

1. Stunde Lesen und Schreiben

2. Stunde Zeichnen und Lesen

3. Stunde Singen

Freitag Vormittag:

1. Stunde Bibl. Geschichte und Schreiben

2. Stunde Rechnen

3. Stunde Sprachlehre

Freitag Nachmittag:

1. Stunde Schönschreiben und Lesen

2. Stunde Geschichte und Schreiben

3. Stunde Turnen und weibl. Handarbeit

Samstag Vormittag:

1. Stunde Perikopen und Kirchenjahr, Lesen und Schreiben

2. Stunde Raumlehre, Schriftrechnen und Singen

3. Stunde Naturlehre

Die Lehr- und Lernmittel für die Hand der Kinder sind folgende: Schiefertafel, Diözesankathechismus, Bibl. Geschichte v. Schuster, Rechenbuch v. Mundt IV, III, II u. Heft  Liederbuch von Wolf und Stürmer, Lesebuch für Oberklasse, Erstes Lesebuch von Fechner, Fibel v. Fechner, Schönschreibheft (Oberstufe nur für Latein), Aufsatzheft, Zeichenheft, Inventur und Kassenbuch

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und Schülertagebuch.

Der Geburtstag seiner Majestät sowie der Sedantag werden in der Schule festlich begangen. Der Unterricht fällt in diesen Tagen aus. Die Schulkinder sowie die kleineren Kinder erhalten im Schullokale Wecke; erstere 10 St. und letztere 5 St. Wecke.

Dem Willen seiner Majestät gemäß wird an den Geburtstagen und den Todestagen der beiden Kaiser Wilhelm I. und Friedrich III. (also am 9.März, 22.März, 15. Juni und 18. Oktober) morgens in der 1. Schulstunde eine Erinnerungsfeier gehalten.- Durch einen kaiserlichen Erlaß wurde der 100jährige Geburtstag des Kaiser Wilhelm I. in der Schule folgendermaßen gefeiert: Sonntag 21. März Gang mit den Schulkindern zum Gottesdienste nach Kehrig, Montag den 22. März Festfeier in der Schule, Dienstag den 23. März Spaziergang mit den Schulkindern.

Auf Verordnung der Königl. Regierung sollen der Lehrer und die Schulkinder in den besseren Jahreszeiten jeden Monat einen Spaziergang machen.

Zeigt das Thermometer morgens ½ 11 Uhr + 25 o C, so fällt nachmittags der Schulunterricht aus.

Am 19. Juni 1897 hatten Niedermendig und die Abtei Laach das Glück, S. Majestät unseren Kaiser und die Kaiserin begrüßen und empfangen zu dürfen. Aus diesem Anlaß reisten an diesem Tage der Lehrer und die Schulkinder der Ober- und Mittelstufe auf Wagen nach Niedermendig, um dort zum Empfang der kaiserlichen Majestäten Spalier zu bilden. Leider herrschte an diesem Tage ungewöhnlich schlechtes Wetter, welches die Feierlichkeiten sehr beeinträchtigte.

Seite 44

Durch Verfügungen der Behörde, besonders der Verf. der kgl. Schulinspektion vom 24.3.99 wurde angeordnet, dass die Schreibübungen auf Papier schon früh beginnen sollen; deshalb fangen von da ab die Schreibübungen ins Hefz schon mit dem 2ten Schuljahr in hiesiger Schule an.

Durch Verfügung der kgl. Regierung vom 13.12.99 wird bestimmt, dass fortan vom Schulprimus am Schluße eines jeden Halbjahres für alle Schulkinder Zeugnisse auszustellen seien.

Verf. der Kgl. Reg. vom 23.03.01 führt die Rechenbücher von Klaucke und Klein für unsere Schule ein.

Eine Verf. der kgl. Reg. vom 8.5.01 führt als Liederbuch den „Liederschutz für Volksschulen“ ein.

Verfügung des Unterrichtsministers vom 23.7.06 ordnet an, dass die Schüler eingeübt werden sollen zum ordnungsmäßigen Verhalten des Schulgebäudes beim Ausbruch einer Feuergefahr.

Eine Verf. der kgl. Reg. vom 20.9.06 bestimmt, dass bei der Oberstufe die Schiefertafel ganz fortfallen und  nur auf Papier geschrieben werden soll.

Vom Schuljahr 1907/08 ab wurden die Ferien für hiesige Schule neu geregelt und zwar wie folgt:

1. Weihnachtsferien vom 24.12. – incl. 2.1. also 10 Tage

2. Osterferien vom Gründonnerstage bis einschl. 2. Montag nach Ostern, also 12 Tage

3. Pfingstferien vom Pfingstsamstag an bis einschließlich Donnerstag nach Pfingsten = 6 Tage

4. Sommerferien beweglich, Normalanfang am 25. Juli = 14 Tage.

5. Herbstferien beweglich, Normalanfangstag

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am 25. Sept. = 26 Tage.- Schulferien Tage und Feiertage, die von den Ferien abzuziehen sind, sind: Kirmesmontag,  Ewiges Gebet = Sa. 2 Tage

Gesamtzahl der Ferientage und der auf die Ferien anzurechnende Feiertage = 70 Tage.

Verf. der Kgl. Reg. vom 5.8.07 führt den neuen Lehrplan ein.

Ein wichtiges Gesetz für die Volksschule, welches schon verschiedene Jahre vorher vom Landtage verlangt wurde, ist das Schulunterhaltungsgesetz von 1906 (in Kraft getreten seit 1.4.1908).

Durch Verf. der Königl. Reg. zu Coblenz wurde im Juni 1911, da der hiesige Schulesaal sich für die vorhandene Schülerzahl als zu klein erwies, die Halbtagsschule eingeführt.

Da die Schülerzahl bedeutend seit 1925 zurückging, richtete ich mit Genehmigung des Herrn Kreisschulrates von Ostern 1926 ab wieder die einklassige Schule ein. Die Schülerzahl betrug Ostern 1926 – 47 Kinder. Oktober 1926 beim Antritt meiner Stelle. 51 Kinder und Ostern 1927 zählte meine Schule nur noch 37 Kinder.

Die Ferienordnung wurde am 21.9.1925 durch die Verfügung des Herrn Landrats Mayen unter Nr. I 2282 für die Landgemeinden des Kreises Mayen neu geregelt.

a) Osterferien (12 Tage) von Gründonnerstag bis Montag nach Weißen Sonntag einschl.

b) Pfingstferien (9 Tage) von Pfingstsonntag bis Montag nach Dreifaltigkeitssonntag einschl.

c) Weihnachtsferien (11 Tage) vom 23. Dez. bis 2. Januar einschl.

d) Sommerferien, 23 Tage, Sommerferien beginnen normal 1. Montag oder Donnerstag nach dem 25. Juli

e) Herbstferien (30 Tage) Herbstferien beginnen am Montag oder Donnerstag nach dem 25. Sept.

Seite 46

Ferienordnung vom Jahre 1935

Osterferien:  Dauer  18 Tage

Pfingstferien:  Dauer  7 Tage

Weihnachtsferien:  Dauer  15 Tage

  40 Tage

Die Festtagsferien fallen mit den Ferien der höheren Schulen zusammen. Die restlichen 45 Tage verteilen sich auf Sommer- und Herbstferien.

 

(Seite 47 - 48 leer) Seite 49

b. Schulbehörden

Als Kreis-Schulinspektor für hiesige Schule fungierte bis zum Jahre 1875 Pfarrer Kiergen aus Hatzenport. Von da ab sind die Schulen des Kreises Mayen dem königlichen Kreis-Schulinspektor und Schulrats Herrn Kelleter zu Mayen unterstellt.

Die Namen der früheren Lokalschulinspektoren sind: Bürgermeister Laymann zu Polch, + 1892 und Pfarrer Conrady zu Cottenheim. Der jetzige Lokalinspektor ist der Pfarrgeistliche Herr Kettenhofen zu Kehrig.

Seit den letzten zwanzig Jahren sind als Schulvorstandmitglieder gewählt Seb. Faber I und Ant. Laubenthal von hier.

An Stelle des Kreisschulinspektors und Schulrats Kelleter zu Mayen, der in den ?? Ruhestand trat und seither in Aachen lebt, wurde der Gymnasiallehrer Bender aus Neuß zum Kreisschulinspektor des Kreises Mayen ernannt und am 4.5.05 eingeführt. Im Juni 1907 wurde Inspektor Bender nach ?? Versetzt. An seine Stelle trat Inspektor Jünger aus ??.

Mit dem 1.Juni 1908 trat Ortsschulinspektor Pfarrer Kettenkofen in den Ruhstand und lebt seither in Mayen. An seiner Stelle trat der am 28.10.08 eingeführte Pfarrer Fondel als Ortsschulinspektor.

NB. Durch Verf. Der kgl. Regierung zu Coblenz vom 8.8.02 II 8768 ist der Lehrer in den Schulvorstand aufzunehmen.

Das neue Volksschulunterhaltungsgesetz von 1906 bestimmt, dass fortan folgende Personen den Schulvorstand bilden Sollen:

1. der Bürgermeister als Vorsitzender, nämlich hier Bürgermeister Melsheimer. 2. der Pfarrgeistliche, also für Gering Pfarrer Fondel. 3. der Lehrer,

Seite 50

also für hier Lehrer Pies. 4. der Vorsteher, jetzt Vorsteher Joh. Peter Faber, 5. ein Bürger der Gemeinde, jetzt Matth. Ackermann. 6. ein 2ter Bürger der Gemeinde, jetzt Jak. Kolligs, also in Sa. 6 Personen.

Als Dezernent für das katholische Schulwesen in der Kgl. Reg. War bis zum Jahre 1883 tätig Regierungs- und Schulrat Henrich, bis zum 1. Mai 1909 Dr. Breuer. Von diesem Zeitpunkt an ist dem kath. Schulwesen im Bezirke Coblenz vorgestellt Regierungs- und Schulrat Dr. Keuter.

Dr. Keuter Dezernent für das Schulwesen an der Regierung 1883-1909, 1909 – 1920

Dr. Veltmann Dezenent für das Schulwesen an der Regierung 1920 – 1933

Rüttgers Dezernent für das Schulwesen 1933 – 1938

 

Seite 51

c. Lehrer

Die ersten in Gering amtierenden Lehrer zu Anfang dieses Jahrhunderts waren Lehrer Weber und Lehrer Maid. Letzterer starb im Jahre 1887 als Lehrer von Metternich bei M.Maifeld. Im Jahre 1836 wurde die Schulstelle von Lehrer Rech aus Altlay (Kreis Zell) besetzt. Lehrer Rech besuchte kein Seminar, sondern machte,  wie früher allgemein gebräuchlich, den sechswöchentlichen Unterrichtskursus in Brühl mit.

Er betrieb als Nebenbeschäftigung ziemlich viel Ackerbau und Viehzucht, deren Notwendigkeit durch die schlechten damaligen Gehaltsverhältnisse bedingt waren. Lehrer Rech wurde im Jahre 1883, nachdem er 57 Jahre als Lehrer tätig war (davon 47 in Gering) in den wohlverdienten Ruhestand versetzt, nahm dann seinen Aufenthalt in Kehrig und starb daselbst am 13. März 1890 in hohem Alter von 80 Jahren.

Am 30. Oktober 1883 wurde der Schulamtskandidat Joh. Caratiola aus Heimbach Weiß (Kreis Neuwied) als Lehrer von Gering eingeführt, welcher im Seminar zu Boppard vorgebildet wurde. Lehrer Carat. wurde im Jahre 1886 auf Wunsch nach Kehrig und der Inhaber der dortigen Schulstelle, Lehrer Wilh. Krappen nach Gering versetzt. Letzter ist geboren zu Altmühl b. Ratheim im Kreis Heinsberg (Regierungsbezirk Aachen) und wurde von 1880 – 1883 im Seminar zu M.Maifeld vorgebildet. Im Jahre 1889 wurde er auf Wunsch nach Kemperhof und von da ab im Jahre 18 ..  nach Steele an der Ruhr versetzt, wo er jetzt noch tätig ist.

Dem Lehrer Krappen folgte im Jahre 1889 der jetzige Inhaber der Stelle, der Lehrer Joh. Ant. Pies.

Seite 52

Kurzer Lebenslauf des Lehrers Joh. Ant. Pies

Geboren zu Dommershausen am 25. Sept. 1862 im Kreise St. Goar, besuchte er die Volksschule daselbst vom 6. – 14. Lebensjahr. Nach seiner Entlassung aus der Schule widmete er sich dem Lehrerstande, nahm zuerst Unterricht bei Lehrer Adams und dann bis 1879 bei Lehrer Müller, beide aus Dommershausen und besuchte von 1879 – 1882 das Seminar zu M.Maifeld. Das Datum des Zeugnisses der ersten Prüfung ist: 25. Februar 1882, das der zweiten Prüfung: 13. Juni 1885. Datum des Ernennungsdekret sind: a. Vom 25. April 1882 als Lehrer an der kath. Schule zu Dommershausen, b. vom 3. Dezember 1889 als Lehrer an der kath. Schule zu Gering. Die Vereidigung fand statt am 12. Mai 1882. Die gegenwärtige Nebenbeschäftigung desselben als Lehrer von Gering ist etwas Kirchendienst, das Gehalt beträgt 1050 Mark Schulgehalt, 30 M. Gehalt aus den Kirchendiensten und 100 M. Alterszulagen, Sa. 1180 Mark.

(Der Mietwert der Dienstwohnung ist zu 75 Mark festgesetzt). Gegenwärtig ist er ledig und besitzt noch kein Vermögen.

Der Lehrer Pies vermählte sich am 12. Oktober 1895 mit Margareta, geb. Faber aus Gering.

Der Mietwert der Dienstwohnung ist auf 120 M. festgestellt.

Am 19. April 1897 wurde dem Lehrer Pies die Tochter Gertrude geboren.

Das Gehalt beträgt vom 1.4.97 ab 1050 M. Grundgehalt, pro Stufe 120 M Alterszulagen, beginnend nach 7 Dienstjahren und steigend von 3 zu 3 Jahren um je 120 M bis zum Höchstbetrag von 1080 M. Das Gehalt beträgt also nach 31 Dienstjahren 2130 M nebst Wohnung.

Seite 53

Vom 1.4.98 ab beträgt das Gehalt 1050 M Grundgehalt und 140 M Alterszulagen pro Stufe nebst freier Wohnung. Vom 16.9.05 ab Gehalt 1200 M u. 140 M A.-Zulagen. Vom 1.4.08 ab (Gesetz vom 26.5.09) Gehalt, 1500 Grundgehalt u. 9 Stufen Alterszulagen mit Sa. 1900 M.

Dienstwohnung 350 M Mietwert.

Kinder des Lehrer Pies:

1. Gertruda,  geb. 19.4.97

2. Johanna Kath.,  geb. 12.01.02

3. Anna,  geb. 27.1.03

4. Joseph Anton,  geb. 14.03.05

5. Sebastian,  geb. 14.7.06

6. Johann Jak.,  geb. 9.2.08

7. Aloys Jak.,  geb.

Vom Jahre      ab erteilten hier den Industrieunterricht Frau Bauermann, gest. am     , dann Fräulein A.M. Reinarts und vom        ab Frau Lehrer Pies. Letztere machte einen entsprechenden Kursus vorher in Polch mit. Das Gehalt für die beiden ersten Personen betrug bei 2 Stunden Unterricht wöchentlich 45 M., für die letztgenannte Person bei derselben Stundenzahl betrug Sie 50 M Renumeration pro Jahr 50 M.

Vom 1.4.14 ab beträgt das Gehalt der Industrielehrerin jährlich 80 M.

Herr Lehrer Pies ging vom 1. Januar 1926, wie Seite 6 erwähnt, in den Ruhestand. Sein Nachfolger wurde der jetzige Inhaber der Stelle Karl Decker.

Nov. 1926

Lebenslauf Lehrer Karl Decker

 

Am 26. April 1902 wurde ich als ältester Sohn der Eheleute Karl August Decker und Maria geb. Fondel zu Boppard am Rhein geboren. Meine ganze Jugend verlebte ich in meinem schönen

Seite 54

Geburtstädtchen. Der Volkschule entlassen, wurde ich in die Präparandie zu Boppard aufgenommen. Nach dreijähriger Studienzeit und bestandener Seminarprüfung besuchte ich noch 3 Jahre das Lehrerseminar dortselbst. Durch den unglücklichen Weltkrieg machte sich auch die nachfolgende Krisis im Lehrerberufe bemerkbar. So musste ich denn, ohne eigene Schuld, vom 19. März 1922 nach meiner 1sten Lehrerprüfung bis zum 1.Oktober 1925 warten, bis ich in den Lehrerdienst berufen wurde. In dieser 3 ½ jährigen Warteszeit war ich teils im elterlichen Betrieb (Landwirtschaft und Weinbau) beim Hauptversorungsamt Coblenz und beim Bürgermeisteramt Boppard tätig. Vom 1.April 1925 ab bekam ich den Lehrerfortbildungszuschuss in monatlicher Höhe von M 60, bis mir zum 1. Oktober selbigen Jahres die Vertretung der Lehrerstelle in Gering übertragen wurde. Seit dieser Zeit bin ich in hiesiger kath. Volkschule tätig. Ein Jahr dauerte meine Vertretung und von dieser Zeit an bin ich einstweilig an der hiesigen Schule angestellt.

Der Lehrer Karl Decker vermählte sich am 4.Sept. 29 mit Gertrud, geb. Schwab aus Gering.

Am 17.4.40 kam der Lehrer Decker als Berufschullehrer nach Polch.

August 1943

Am 16.8.43 übernahm der Lehrer Simon Schneider aus Düsseldorf die Lehrerstelle in Gering. Ich hatte mich der Regierung zu Koblenz freiwillig zur Verfügung gestellt, nachdem ich fast 5 Jahre im Ruhstand gelebt hatte. Geboren wurde ich am 24.9.1876 in Allenz Kreis Mayen. Meine Ausbildung erhielt ich in der Präparandenschule zu Mayen u. in den Jahren 1894/97 im Lehrerseminar zu Boppard. Nachdem ich an der einklassigen Schule zu Müllenbach, Krs. Adenau und in Kerben, Krs. Mayen bis zum 1.4.1905 gewirkt hatte, zog ich an den Niederrhein nach Hilden u. wurde am 1.4.1909 als Lehrer an einer Volkschule der Stadt Düsseldorf angestellt, wo ich fast 30 Jahre lang amtierte. Vom 2.8.1914 bis 31.10.1917 war ich als Frontsoldat im Weltkrieg. Ich bin seit 1903 verheiratet.

Seite 55

d. Schülerzahl

Die Schule zu Gering zählte vor 40 und 50 Jahren, wie alte Einwohner unserer Gemeinde berichten, 60 und manchmal noch mehr Schüler.

Später ging die Zahl derselben so zurück, dass die Schule in den Jahren 1875-1885 durchschnittlich 30 – 35 Kinder zählte. Von da ab nahm die Schülerzahl wieder zu und betrug dieselbe in Schuljahren

1890/91 39,

1891/92 41,

1892/93 44,

1893/94 46

Und 1894/95 42 Kinder. Im Schuljahr 1895/96 zählte die Schule 47 und 1896/97 48 Schüler, Schuljahr 1897/98 50 Schüler. 1898/99 50 Schüler und zwar 17 Knaben, 33 Mädchen.

Schuljahr 1899/1900 = 48 Schüler, 19 Knaben und 29 Mädchen.

Schuljahr 1900/1901 = 48 Schüler, 22 Knaben und 26 Mädchen.

Schuljahr 1901/02 = 50 Schüler, 25 Knaben und 25 Madchen

Schuljahr 1902/03 = 56 Schüler, 27 Knaben und 29 Mädchen.

Schuljahr 1903/04 = 52 Schüler, 25 Knaben und 26 Mädchen.

Schuljahr 1904/05 = 53 Schüler, 28 Knaben und 25 Mädchen.

Schuljahr 1905/06 = 56 Schüler, 29 Knaben und 27 Mädchen

Schuljahr 1906/07 = 60 Schüler, 34 Knaben und 26 Mädchen

Schuljahr 1907/08 = 60 Schüler, 33 Knaben und 27 Mädchen

Schuljahr 1908/09 = 61 Schüler, 32Knaben und 29 Madchen

Schuljahr 1909/10 = 60 Schüler, 31 Knaben und 29 Mädchen,

Schuljahr 1910/11 = 62 Schüler, 31 Knaben, 31 Mädchen.

Gesehen 13/12.10.  Jünger

1911/12 = 63 Kinder, 33 Knaben, 30 Mädchen

Seite 56

1912/13 = 60 Schüler, 28 Knaben, 32 Mädchen

1913/14 = 60 Schüler, 28 Knaben, 32 Mädchen

1914/15 = 60 Schüler, 28 Knaben, 32 Mädchen

1915 =

1916 =

1917 =

1918 =

1919 =

1920 =

1921 =

1922 =

1923 =

1924 =

1925 = 51 Schüler, 25 Knaben, 26 Mädchen

1926 = 48 Schüler, 24 Knaben, 24 Mädchen,

1927 = 37 Schüler, 20 Knaben, 17 Mädchen

1928 = 41 Schüler, 17 Knaben, 24 Mädchen

Tiefstand 1929 = 33 Schüler, 16 Knaben, 17 Mädchen

1930 = 37 Schüler, 20 Knaben, 17 Mädchen

1931 = 49 Schüler, 25 Knaben, 14 Schüler

1932 = 48 Schüler, 26 Knaben, 22 Schüler

1933 = 47 Schüler, 25 Knaben, 14 Mädchen

1934 = 47 Schüler, 28 Knabe, 19 Mädchen

1935 = 51 Schüler, 30 Knaben, 21 Mädchen

1936 = 49 Schüler, 29 Knaben, 20 Mädchen

1937 = 43 Schüler, 25 Knaben, 18 Mädchen

1938 = 40 Schüler, 23 Knaben, 17 Mädchen

1939 = 34 Schüler, 20 Knaben, 14 Mädchen

1940 = 37 Schüler, 14 Knaben, 23 Mädchen

1941 = 37 Schüler, 14 Knaben, 23 Mädchen

1942 = 37 Schüler, 16 Knaben, 21 Mädchen

1943 = 42 Schüler, 17 Knaben, 25 Mädchen

1944 =  }

1945 =  } keine Zahlen mehr vorgefunden

1946 = 50 Schüler, 23 Knaben, 27 Mädchen

Seite 57

1947 =     Schüler     Knaben       Mädchen

1948 =

 

(Seite 58 - 60 leer) Seite 61

c. Aufnahmen und Entlassungen

Die Aufnahme der neu eintretenden Kinder in die Volksschule scheint in früheren Jahren nicht genau bestimmt gewesen zu sein. Eine Verfügung der Königl. Regierung vom 27.11.54 darüber lautet: „ Die Aufnahme neu eintretender Kinder in die Elementarschulen findet nur einmal im Jahre statt und zwar zur Zeit, zu welcher die älteren Kinder, nachdem sie das Ziel des Unterrichtes erreicht haben, aus der Schule entlassen werden. Aufgenommen werden alljährlich diejenigen Kinder, welche am Tage der Aufnahme das fünfte Lebensjahr vollendet haben. Zweimalige Aufnahmetermine im Jahr dürfen nur mit unserer ausdrücklichen Genehmigung für die einzelnen Schulen, bei welchen es örtliche Verhältnisse angemessen erscheinen lassen, angesetzt werden.“

Später fand die Aufnahme bis zum Jahre 1883 am 1. Mai statt. Eine Verfügung der Königl. Regierung aus diesem Jahre, die noch heute in Geltung ist, bestimmt über die Aufnahme folgendes: „ Das neue Schuljahr beginnt unmittelbar nach den Osterferien und hat dann am ersten Schultage die Aufnahme der neu eintretenden Schüler zu erfolgen. Die Aufmahne erfolgt nur ein Mal des Jahres. Die Kinder, die das sechste Lebensjahr vollendet haben oder bis zum 1. November desselben Jahres vollenden, sind am Aufnahmetermin verpflichtet, die Schule zu besuchen, sofern sie nicht durch Krankheit dispensiert sind. In ganz besonderen Fällen sind Kinder vor dem schulpflichtigen Alter aufzunehmen und ist dann dem Kreisschulinspektor davon Anzeige zu machen.“

Was die Entlassung der Schüler anbelangte, so fand dieselbe in früheren Jahren mit dem 13. Lebensjahr

Seite 62

statt, später, als die Schulpflicht mit dem 6. Lebensjahr begann, mit dem 14. Lebensjahr. Die Entlassung fand gewöhnlich Ende April statt. Durch die genannte Verfügung aus dem Jahre 1883 ist festgesetzt: Die Entlassung aus der Schule hat jährlich nur einmal zu geschehen und zwar am Mittwoch vor Ostern, also am Schluß des Winterhalbjahres. Die zur Entlassung kommenden Schüler erhalten Entlassungszeugnisse. In diesen Zeugnissen sind als Prädikate sehr gut, gut, genügend und ungenügend zu verwenden. Die Originale dieser Zeugnisse sind in einem festgebundenen Buch in der Schule aufzubewahren. Die Abschriften der Zeugnisse werden den Schülern ausgehändigt.- In Folgendem sind verschiedene Aufnahme- und Entlassungstermine aus den früheren Jahren, soweit dieselben ermittelt werden konnten, angegeben.

Jahr 1880 Entlassung am 10. April

Jahr 1881 Entlassung am 26. April

Jahr 1882 Entlassung am 21. April

Jahr 1884 Entlassung am 9.April. Aufnahme am 17. April

Jahr 1885 Entlassung am 9. April. Aufnahme am 9. April

Jahr 1885 Entlassung am 1. April. Aufnahme am 9. April

Jahr 1886 Entlassung am 21. April. Aufnahme am 29. April

Jahr 1887 Entlassung am 6. April. Aufnahme am 14. April

Jahr 1888 Entlassung am 28. März. Aufnahme am 5. April

Jahr 1889 Entlassung am 17. April. Aufnahme am 25. April

Jahr 1890 Entlassung am 2. April, Aufnahme am 10. April

Jahr 1891 Entlassung am 25. März. Aufnahme am 2. April

Jahr 1892 Entlassung am 13. April. Aufnahme am 21. April

Jahr 1893 Entlassung am 29. März, Aufnahme am 6. April

Jahr 1894 Entlassung am 21. März. Aufnahme am 29. März

Jahr 1895 Entlassung am 10. April, Aufnahme am 17. April

Jahr 1896 Entlassung am 1. April, Aufnahme am 9. April

Jahr 1897 Entlassung am 14. April. Aufnahme am 22. April

Jahr 1898 Entlassung am 6. April, Aufnahme am 14. April

Jahr 1899 Entlassung am 29. März. Aufnahme am 6. April

Seite 63

Jahr 1900 Entlassung am 11. April. Aufnahme 19. April

Jahr 1901 Entlassung am 3. April. Aufnahme 11. April

Jahr 1902 Entlassung am 26. März. Aufnahme am 3. April

Jahr 1903 Entlassung am 8. April. Aufnahme am 16. April

Jahr 1904 Entlassung am 30. März. Aufnahme am 7. April

Jahr 1905 Entlassung am 19. April, Aufnahme am 27. April

Jahr 1906 Entlassung am 11. April. Aufnahme am 19. April

Jahr 1907 Entlassung am 27. April. Aufnahme am 9. April

Jahr 1908 Entlassung am 15. April. Aufnahme am 28. April

Jahr 1909 Entlassung am 7. April, Aufnahme am 20. April

Jahr 1910 Entlassung am 23. März, Aufnahme am 5. April

Jahr 1911 Entlassung am 12. April, Aufnahme am 25. April

Jahr 1912 Entlassung am 3. April. Aufnahme am 16. April

Jahr 1913 Entlassung am 19. März, Aufnahme am 1. April

Jahr 1914 Entlassung am 8. April, Aufnahme am 21. April

Jahr 1915

Jahr 1916

Jahr 1917

Jahr 1918

Jahr 1919

Jahr 1920

Jahr 1921

Jahr 1922

Jahr 1923

Jahr 1924

Jahr 1925 Entlassung 31. März. Aufnahme 13. April

Jahr 1926 Entlassung 31. März. Aufnahme 1. April

Jahr 1927 Entlassung 31. März. Aufnahme 1. April

Jahr 1928 Entlassung 31. März. Aufnahme 1. April

Jahr 1929 Entlassung 27. März. Aufnahme 9. April

Jahr 1930 Entlassung 31. März. Aufnahme 1. April

Jahr 1931 Entlassung 31. März. Aufnahme 1. April

Jahr 1932 Entlassung 22. März. Aufnahme 5. April

Jahr 1933 Entlassung 31. März. Aufnahme 1. April

Jahr 1934 Entlassung 28. März. Aufnahme 10. April

Jahr 1935 Entlassung 28. März. Aufnahme 1. April

Jahr 1936 Entlassung 28. März. Aufnahme 15. April

Jahr 1937 Entlassung 27. März. Aufnahme 14. April

Seite 64

Jahr: Entlassung: Aufnahme:

1938. 31. März. 19. April

1939 30. März 18. April

1940 31. März 27. März

1941. 20. März 20.8.41

1942 21. März 26.8.

1943 27. März

1944 25. März

1945

1946 31.8. 1.9.46

1947 31.8. 1.9.47

1948 31.8. 1.9.48

1949 31.8. keine

 

Seite 65

f. Revisionen

Soweit die Ermittlungen reichen, haben in hiesiger Schulklasse folgende Revisionen im Laufe der Zeit stattgefunden:

Am 20.2.62 besuchte die Schule Herr Schulrat Henrich aus Coblenz.

Am 24.8.64 prüfte Herr Pfarrer Kiergen aus Hatzenport.

Am 15.7.65  ″

Am 21.8.66  ″

Am 26.4.69  ″

Am 5.9.71  ″

Am 4.11.72  ″

Am 17.9.73  ″

Am 2.12.75 ″ ″  Kreisschulinsp. Kelleter aus Mayen.

Am 9.11.77 ″ ″   ″

Am 29.7.79 ″ ″   ″

Am 13.6.81 ″ ″   ″

Am 24.8.83 ″ ″   ″

Am 29.8.84 ″   ″

Am 16.3.85 ″ ″   ″

Am 4.11.86 ″ ″   ″

Am 14.6.88 besuchte Herr Landrat Linz aus Mayen die Schule.

Am 21.6.88 Besuch der Klasse durch Herrn Schulrat Dr. Breuer und Herrn Kreisschulinsp. Kelleter.

Am 27.2.91 Revision durch Herrn Kreisschulinspktor Kelleter.

Am 26.5.91 Besuch der Schule durch Herrn Ober-Regierungsrat Esser aus Berlin, Herrn Schulrat Dr. Breuer aus Coblenz und Herrn Kreisinsp. Kelleter.

Am 8.4.92 Revision durch Herrn Kreisins. Kelleter.

Am 17.4.94 Revision durch Herrn Kreisinsp. u. Schulrat Kelleter

Am 2.12.96  ″

Am 27.11.99  ″

Am 19.6.03  ″

Am 7.3.06  ″   durch den Kreisarzt Herrn Litorski.

Seite 66

Am 28.5.07 Revision durch Inspektor Grebender.

Am 3.4.08 ″  ″ Herrn Kreissch. Jünger.

Am  ″          ″  ″ den Kreisarzt.

Am 14.12.09  ″ den Kreissch. und Schulrat Jünger.

Am 13.12.10 ″

Am 12.6.11  ″ durch Regierungs- und Schulrat Dr. Kreuter und Schulrat Jünger.

 

Am 12.11.25 Revision durch Herrn Kreisschulrat Schornstein

Am 5.11.26   ″

Am 20.11.27 ″  ″ Oberregierungsrat Dr. Heltmann und Herrn Kreisschulrat Schornstein (zwecks Lehrerprüfung)

Am 14.7.28 Revision durch Herrn Schulrat Schornstein

Am 16.12.29 ″  ″  ″ Steinhauer.

Am 5. II. 31 ″  ″  ″

Am 7. VII. 32 Arbeitsgemeinschaft für Lehrer in hiesiger Schule.

Am 18. XI. 32  ″  ″ Junglehrer ″  ″.

Am 25. VI. 35 Revision durch Herrn Kreisschulrat Grafen.

Am 10.II.37  ″

Am 28. X.37  ″

Am 23. VII. 38  ″

Am 25.3.47  ″ Zerth

Am 18.9.48  ″ Thomé

Am 18.2.49 .. ″ Thomé

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II. Teil  Die zum Schulverbunde gehörigen Gemeinden betreffend

1. Kapitel

a. Namen des Ortes; Gehöfte; Mühlen

Gering hieß zu früheren Zeiten Giering und Girreke. Die Pfarrchronik von de Lorenzi berichtet uns darüber folgendes: Zur Pfarrei Mertloch gehörte früher die Filiale Giering (bis 1821). An einer anderen Stelle heißt es in derselben Schrift: Im Jahr 1257 kommt in einem Testamente des Scholasters Heinrich im Stift zu Münster aus dem Meyenvelt die Filiale Girreke vor.

Zu der Gemeinde Gering soll zu früheren Zeiten der sog. Junker-Hof gehört haben, der zwischen Gering und Kehrig im heutigen Flurdistrikt „Junker“ gestanden haben soll. Daß an der betreffenden Stelle früher sich eine oder  mehrere menschliche Wohnungen befanden, beweißt sich dadurch, dass vor einigen Jahren dort Mauerreste und alte irdene Töpfe durch Ausgraben zu Tage befördert wurden. Die ältesten Bewohner unserer Gemeinde wissen sich nicht zu erinnern, dass dort ein Hof gestanden hat, sie haben es auch „erzählen hören“.

Zu unserer Gemeinde gehört die Geringer Mühle. Dieselbe liegt am Elzbache in romantischer Lage ungefähr 1 ½ km vom Dorfe entfernt. Der jetzige Besitzer ist Jos. Bantes.- Der Vater des Letzteren, Michael Bantes aus Pillig gebürtig, kaufte die Mühle mit sämtlichen Mobilien und Liegenschaften von einem gewissen Hirsch

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aus Cochem, der mit seiner Familie in der Mühle wohnte. Nachdem ein Bruder des Hirsch im Mühlengetriebe dermaßen verunglückte, dass sofort der Tod eintrat, wurde dem Besitzer der Aufenthalt so verleidet, dass er die Mühle, wie vorhin erwähnt im Jahr 1855 an Bantes verkaufte und wegzog. Die Mühle ist eine sogenannte  Kundenmühle. Der Müllerknecht kommt das zu mahlende Getreide per Wagen ins Dorf holen und bringt das Mehl auf dieselbe Weise wieder nach einigen Tagen den Bewohnern zurück. Da der Elzbach hier ziemlich stark ist, tritt selten Wassermangel für den Müller ein.

 

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b. Lage unseres Ortes. Seine Wohnhäuser.

Gering liegt in der preußischen Rheinprovinz, auf der linken Rheinseite. Es gehört zum Bezirke Coblenz, zum Kreise Mayen und zur Bürgermeisterei Polch. Seine Lage beträgt 340 m über dem Meeresspiegel, ungefähr 30 km vom Rhein und 15 km von der Mosel. Nach Mayen beträgt die Entfernung 7 ½ km, nach Polch 4 km, nach M.Maifeld 8 km, nach Koblenz 30 km, sein Bann gehört zum Maifelde, 1 ½ km nach Westen fließt der Elzbach vorbei, der ziemlich stark ist und hier die Grenze zwischen dem Banne Gering und Kaifenheim und dadurch auch zwischen dem Kreise Mayen und Cochem bildet.- Unser Dorf liegt auf einer Anhöhe an einer Verkehrstraße, die nach Mayen führt. Es hat die größte Ausdehnung von Norden nach Süden und beträgt die Entfernung der beiden äußersten Wohnhäuser (Pet. Klasen – Kaspar Rieden) ½ km.

Die einzige Hauptstraße des Dorfes durchschneidet dasselbe ebenfalls von Norden nach Süden und verzweigt sich am Südende. Sie ist mit Mayener Basalt gepflastert und ziemlich breit. Die Wohnhäuser stehen fast alle so, dass sie zu jeder Seite der Straße entlang eine Reihe bilden; mit der Vorderfront nach Süden. Scheune, Ställe und Schuppen sind meistens vom Wohnhaus getrennt gebaut. Viele Gehöfte sind mit einem verschließbaren Thore (von Holz oder Eisen) versehen. Bei Neubauten wird, wenn möglich darauf bedacht genommen, dass die Gebäude so gestellt werden, dass das Gehöft mit einem Thor versehen werden kann, der Hof also „zu wird“.

Die Wohnhäuser, die älteren wie die neueren, sind massiv und zwar von Bruchsteinen erbaut.

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Letztere sind für weniger Geld auf den Schiefergruben unweit des Ortes zu haben, von denen gegenwärtig nur zwei in Betrieb sind. Zum Schutze gegen das Feuchtwerden des Wohnraumes sind die Wände inwändig meistens mit Grausteinen vom Karmelberg ausgemauert.

Ziemlich alte Häuser findet man in Gering. So werden wohl die Wohnhäuser des Pet. Brodam N. 9 und des Pet. Gilles No. 6 weit über 200 Jahre zählen. Dieselben haben nur sehr wenige Fenster aufzuweisen und die vorhandenen sind so klein, dass sie nicht imstande sind, den Wohnräumen auch nur einigermaßen eine genügende Helligkeit zu geben. Sicherlich stammen diese Wohnhäuser aus einer Zeit, wo es, wie es heute noch gebräuchlich ist in Frankreich, dass Licht, nämlich die der Straße zu liegenden Fenster zu besteuern.

Eigentümlich ist, die Bauart der alten und auch derjenigen Wohnhäuser, die ungefähr der Zeit vor 1850 ihr Entstehen verdanken. Dieselben sind noch auf Mauern gesetzt, so daß der Keller fast zu ebener Erde liegt. Tritt man in ein solches Haus, so führt die Haustür sofort in die Küche. Von einem Hausflur kann keine Rede sein. Rechts oder links in der Küche führt eine kleine Treppe mit 4 – 6 Stiegen hinauf zum Wohnzimmer. Die Küchen sind in den älteren Häusern ungemein geräumig und hoch, dagegen die Wohnräume ziemlich eng und nichts weniger als geräumig. – Die neueren Wohnhäuser sind doch praktischer gebaut. Der Keller ist tief in den Boden gelegt; die Küche bildet für sich einen abgeschlossenen Raum, die Wohn- und Schlafräume sind geräumig und hell.- Die Dächer sind fast alle mit Schiefer gedeckt; die wenigen Strohdächer verschwinden von Jahr zu Jahr immer mehr. Da der Massivbau hier vorherrscht und Strohdächer

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sich nur vereinzelt finden, so ist die Feuersgefahr für die Gebäude nun geringer zu nennen, und tathsächlich gehören große Brände in unserem Orte bis jetzt zu den größten Seltenheiten.

Die Gebäude der Gemeinde Gering sind mit fortlaufenden Nummern versehen, die mit dem Wohnhaus der Ww. Luxem beginnen und mit der Mühle enden, von 1 – 53. Unter diesen 53 Gebäuden sind 50 Wohnhäuser, von denen 7 zur Zeit unbewohnt sind. In den 43 bewohnten Gebäuden lebten zur Zeit der letzten Volkzählung am 1.12.95 47 Haushaltungen, die eine Einwohnerzahl von 244 Personen stellten.

Früher wurden die Wohnräume mit Holz geheizt; jetzt brennen die meisten Leute Kohlen. Lampen kannte man vor ungefähr 40 Jahren hier noch nicht. Man beleuchtete die Wohnräume mit Kerzen. Erst nach und nach lernte man den Gebrauch des Petroleums und damit auch den der Lampen kennen.

Im Jahre 1891 wurde das Gehöft Nr. 46 des Jakob Kolligs neu erbaut.

Im Jahre 1896 erbaute Wilh. Reicherts sein Wohnhaus Nr. 45.

1895 wurde das Gehöft des Stellmachers Wilh. Breitbach (Nr. 3) neu erbaut.

Im Jahre 1900 erbaute Adam Weber sein Gehöft. (Nr. 52).

1904 erbaute Oster Gersabeck sein Wohnhaus mit Nebengebäuden.

Seb. Faber I erbaute im Jahre 1905 ein neues Wohnhaus.

1906 erbaute Jos. Laubenthal ein neues Gehöft.

Im Jahre 1908 wurden in Gering zwei neue Häuser mit Nebengebäuden errichtet,

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nämlich das des Joh. Luxem und der Witwe Ant. Emmerich.

Im Jahre 1909 herrschte in Gering eine rege Bautätigkeit. Es wurden damals errichtet

1. das Wohnhaus des Ant. Schwab (Nr. 20)

2. das Wohnhaus mit Nebengebäuden des Ant. Luxem

3. das Wohnhaus des Schneidermeisters Joh. Böhr

Nach der Volkszählung am 1.12.10 waren in Gering 51 bewohnte Häuser.

 

Januar 1927

Seit dieser Zeit trat ein Stillstand ein. Infolge des Krieges dauerte dieser bis 1924. In diesem Jahr entstanden zwei große Neubauten. Eines derselben gehört dem Lehrer Pies, das andere ist Eigentum des Herrn Pet. Ackermann. Im Jahr 1926 ließ Herr Jos. Ackermann sein elterliches Wohnhaus abreißen und an dessen Stelle einen Neubau errichten.

August 1927

Dem Wohnhaus des Herrn Lehrer gegenüber steht heute auch ein Neubau, der in etwa einem Monat beziehbar sein wird. Das Haus ist Eigentum des Herrn Sebastian Schwab.

August 1929

Johann Schwab, Sohn von Nik. Schwab, baute auf seinem Gartenplatze an der Straße liegend ein neues Wohnhaus. Der hinzugezogene Bäcker Welter baute auf dem Grundstücke seines Schwiegervaters (Oster Gersabeck, Maurer) eine kleine Bäckerei.

Mai 1935

Josef Ackermann II ließ die alte Scheune bei seinem neu erbauten Wohnhaus (1927) abreißen. An derselben Stelle erstand eine neue Scheune, größer und im allgemeinen vorteilhafter als die alte war.

 

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c. Alter und Größe unseres Dorfes

Gering scheint zu früheren Jahrhunderten schon bestanden zu haben. Da unsere Kapelle (siehe unter der Rubrik „Kapelle“) sehr wahrscheinlich aus dem 12. Jahrhundert stammt, so ist sicher anzunehmen, dass der Ort ebenso alt wenn nicht älter ist.- Das Dorf hat 53 Gebäude, wovon 50 als Wohnhäuser benutzt werden.

Volkszählung am 1.12.95. Zahl der bewohnten Häuser 43, unbewohnt sind 7 Wohnhäuser. Einwohnerzahl 244.

Über das Alter von Gering sind kaum Urkunden bekannt, jedoch ist aus Funden, die in hiesiger Gemarkung ausgegraben wurden, zu schließen, dass schon vor Jahrtausenden, etwa zur Zeit Abrahams menschliche Ansiedlungen sich hier vorfanden. Im Distrikt „Heitsbornerhöhe„ hat man 1907 eine Wohnstätte der Steinzeit durch Ausgrabungen entdeckt und darin neben einem großen Steinwerkzeug und einem kleinen Bleie Scherben von neolithischen Gefäßen gefunden. Die Steinzeit hat ihren Namen daher, dass die Menschen damals bloß Werkzeuge aus Stein kannten. Im Distrikte „Hohenstall – Kehrig“ hat man 1910 eine Menge Teile, Scherben von Töpfen gefunden, die von Brandgräbern, 800 v. Chr. sog. Hallstattzeit stammen sollten. Verschiedene Funde aus der Gemarkung Gering sind im Museum zu Mayen, zu Köln u. Bonn zu sehen. Weiteres darüber siehe: Geschichte von Mayen (Schülerbibliothek) u. 1 Artikel der Kölnischen Volkszeitung vom August 1911.

 

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d. Bevölkerung von Gering und ihre Lebensweise

Zur Zeit der letzten Volkszählung vom 1.12.95 hatte unser Ort 244 Bewohner und ist die Zahl der Einwohner seit der vorigen Zählung um 7 zurückgegangen. Die Bewohner sind im allgemeinen kräftig gebaut: Der Gesundheitszustand ist im allgemeinen ein guter zu nennen. Die meisten alten Leute starben in den Jahren von 55 – 65. Von Epidemien, wie Keuchhusten, Masern, Typhus etc. wird unser Ort wenig heimgesucht. Früher kannte man hier keinen Kaffee, wie alte Leute berichten. Morgens und abends genoß man Suppen, aus Erbsen oder Linsen zubereitet. Nachmittags wurde nichts gegessen.

Die Ernährungsweise richtet sich nach den Vermögensverhältnissen. Die besser gestellten schlachten jährlich nebst einem Schweine gewöhnlich noch ein Stück Rindvieh,  weswegen in diesen Familien an den meisten Wochentagen Fleisch genossen wird. Die weniger bemittelten begnügen sich mit dem Schlachten eines Schweinchen, dass die Hausfrau mästet. Das nötige Brot, welches aus gebeuteltem Roggenmehl hergestellt wird, wird im Gemeindebackhaus („Backes“) gebacken. Zuweilen wird auch Weißbrot vom Bäcker gekauft, genossen.

Des Tages finden vier Mahlzeiten statt. Morgens und nachmittags wird Kaffee getrunken.

Im Vergleich zu anderen Gegenden ist hier der Gemüsebau weit fortgeschritten, und verstehen es auch die Hausfrauen, die Gemüse richtig zuzubereiten.

Gemüse, die hier gezogen werden, sind: Weißer Kappes, Rotkraut, Kohlrabi, Karotten, gelbe und weiße Rüben, Zwiebeln, Charlotten, Blumenkohl, Zuckererbsen, Spinat, allerhand Salatarten, Rettig, Gurken, Ampfer, allerhand Arten von Bohnen, Sellerie u.s.w. Andere Nahrungsmittel, die im Feld gezogen werden, sind Getreide, Kartoffeln, Erbsen und Buchweizen. Kohl wird auch viel gepflanzt, aus dessen Samen das Rüböl gewonnen wird.

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Der Grundzug der Bewohner ist treue Liebe zur schönen Heimat. Selten kommt es vor, dass ein Bewohner auswandert.- Alle Bewohner sind römisch-katholisch und herrscht bei ihnen eine strenge Religiosität. Der Besuch des Gottes(haus)dienstes ist trotz des weiten Weges (Nach Kehrig 2 ½ km. Hier ist kein Sonntagsdienst) ein guter zu nennen. An den Nachmittagen der Sonn- und der meisten Feiertagen ist hier in der Kapelle Andacht, die vom Lehrer gehalten wird. An den Sonntag Abenden, sowie an allen Abenden der Advents- u. Fastenzeit ist Rosenkranz, der von den Besuchern gemeinschaftlich gehalten wird.

 

Gering zählte im Jahre 1817 146, im Jahre 1840 229 und im Jahre 1900 269 Einwohner.

 

Volkszählung am 1.12.95 Gering = 244 Bewohner.

Zählung am 1.12.00 = Gering 269 Einw.

Zählung am 1.12.05 = Gering 275 Einw.

Zählung am 1.12.10 = Gering 291 Einw.

Zählung am 17.VI.33 = Gering 255 Einwohner

 

Der Schulbesuch ist ein Guter zu nennen.

Die eigentliche Volkstracht ist fast ganz verschwunden. Die Kleidung hat durchschnittlich zumal bei der jüngeren Generation, einen ähnlichen Schnitt wie die Kleidung der Stadtbewohner. Die Mädchen tragen vergoldete Haarteile bis zu ihrer Verheiratung.

Die Zahl der jährlichen Trauungen ist durchschnittlich 2; die der Geburten jährlich 8 – 10; die der Sterbefälle durchschnittlich 4 – 6.

 

1897 Zahl der Jährlichen Trauungen 2.

1897 Zahl der Jährlichen Geburten 7.

1897 Zahl der jährlichen Sterbefälle 5.

1898 Jährliche Trauungen 3

 

Sterbefälle von 1878 an

 Erwachsene Kinder

1878= 3 +2

1879= 3 +1

1880= 5 +6

1881= 4 +10

1882= 3 +4

1883= 5 +4

1884= 4 + -

1885= 3 +1

1886= 3 + -

1887= 2 +3

1888= 4 +3

1889= 3 +2

Seite 76

1890= 3 +2

1891= 4 +4

1892= 2 +2

1893= 1 +1

1894= 3 +3

1895= 3 +5

1896= 1 +2

1897= 4 +2

1898= 3 +5

1899= 5 +3

1900= 1 +2

1901= 4 +2

1902= 3 +1

1903= 4 +8

1904= 1 +3

1905= 3 +2

1906= 3 +3

1907= 5 +1

1908= 0 +5

1909= 2 +0

1910= 3 +1

1911=

1912=

1913=

1914=

1915=

1916=

1917=

1918=

1919=

1920=

1921=

1922=

1923=

1924=

1925=

1926= 2 +

1927=

 

 

1946

29./30.Okt. 1946 Volkszählung in allen Zonen Deutschlands

Für Gering ergaben sich folgende Zahlen:

Männlich weiblich Summe

136 178 314

(Darunter waren 7 vorübergehend anwesende)

An abwesenden wurden gemeldet:

Vermißt und in Gefangenschaft: 25

Aus anderen Gründen abwesend: 8

 

(Seite 77 leer) Seite 78

e. Sitten und Gebräuche der Bewohner

Vielfach sind die eigenartigen Sitten und Gebräuche in unserer Gemeinde.

Gedenkt ein Pärchen in den Ehestand zu treten

a) so wird zuerst an einem Abend die „ Hülig „ gefeiert und zwar im Hause der Braut. Dazu werden die Männer und die erwachsenen Jünglinge aus der Verwandtschaft und Nachbarschaft eingeladen und bewirtet. Die erwachsenen Jünglinge sammeln sich alsdann vor dem betr. Hause, singen einige Liedchen, schießen dazwischen und verschwinden nicht eher, bis sie vom Bräutigam eine Geldspende in Empfang genommen haben, welcher hierauf im Wirtshause in Getränk umgesetzt wird. Die Hochzeit wird mehr oder weniger festlich begangen. Ist die Braut von auswärts, so wird sie von einem Freund des Bräutigams am Morgen des Hochzeitstages mit einem mit grünen Zweigen geschmückten Wagen, dem Brautwagen abgeholt. In den Dörfern, durch welche der Wagen passieren muß, ist man bestrebt, „Sperren“ für denselben herzustellen, die nicht eher entfernt werden, bis die Braut ihren Obulus in Geld oder Getränk entrichtet hat. Die Kopulationen finden in Kehrig statt. Mittags findet ein großes Essen statt. Nachmittags geht das eingeladene „Jungvolk“ mit dem Bräutigam im Dorfe umher zu Freunden und Bekannten, trinken ihm aus dem schönen „Brautkännchen“ zu und die jungen Eheleute empfangen dann die Glückwünsche der Hausbewohner. Das früher so übliche Schießen am Hochzeitstage verschwindet immer mehr.  An einem der nächsten Sonntage ladet die junge Frau die Frauen der

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Nachbarschaft und die der Verwandtschaft zum Kaffee ein und  macht „Nachbarschaft“.

Die Kindtaufen finden auch gewöhnlich alle in Kehrig statt. Die Frauen der Nachbarschaft begeben sich mit dem Täufling nach Kehrig zur Kirche und hernach dort ins Wirtshaus, wo die Paten die Anwesenden mit Getränk und Zucker zu traktieren haben. Natürlich wird die Ankunft des kleinen Weltbürgers im elterlichen Hause durch einen … Kindtaufschmaus gefeiert und zwar am Tauftage, woran die erwähnten Frauen teilnehmen.

Bei Begräbnissen zeigen die Bewohner des Dorfes eine große Beteiligung. Vor der Beerdigung gehen viele abends auf die „Totenwache“, d.h. die Leute versammeln sich im Sterbehaus und beten für den Verstorbenen. Des nachts bleiben einige Personen aus der Nachbarschaft im Sterbehause und wachen.

In den Seelenmessen für den Verstorbenen geht fast aus jedem Haus eine Person mit „opfern“, d.h. nach der Präfartion geht sie mit um den Altar, um eine kleine Geldgabe auf demselben niederzulegen.

Gering scheint in den früheren Jahrhunderten  mehreremal des Jahres Kirmes gehalten zu haben. Die Pfarrchronik von de Lorenzi berichtet darüber folgendes: „ Von den Bewohnern von Gering liegt ein interessanter Antrag vor, den sie im Jahr 1571 an den Erzbischöflichen Jakob von Elz richteten, dass nämlich in Zukunft nicht mehr wie bisher, dreimal im Jahr Kirmes mit Essen und Trinken gehalten werden solle, sondern nur einmal. Der Erzbischof ging auf dieses vernünftige Gesuch gern ein.“

(Seit … ist die Kirmes am dritten Sonntag im September. Seit 1937 ist die Kirmes wieder am 2. Sonntag im September).

Das Kirchweihfest, Kirmes genannt, wird augenblicklich am 2. Sonntag im September gefeiert. In der Woche vorher scheuert die Hausfrau das ganze Haus von oben bis unten; das Zimmeren und blechernes Küchengerät wird blank geputzt und es werden Kuchen, Torten etc. von feinem Weizenmehl gebacken. Sonntags erscheinen die Verwandten und Freunde nach vorhergegangener Einladung und werden reichlich bewirtet. Montags ist Fortsetzung und Dienstags wird gewöhnlich noch eine kleine Nachfeier veranstaltet. Montags fällt der Schulunterricht, wie von alters her gebräuchlich, aus. Sonntag und Montag ist Tanzmusik. Natürlich

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fehlen auch an den Kirmestagen die unvermeidlichen Buden nicht, worin die Kinder für ihre Pfennige allerhand Spielsachen und Süßigkeiten erstehen können.

e) Nikolaus-Abend erscheint in einzelnen Häusern der Nikolaus, und beschenkt die Kleinen. Am Weihnachtsabend kommt das Christkindchen an resp. in die Häuser und überreicht den „guten und braven“ Kindern (u. natürlich gut und brav wollen sie dann alle sein) seine Gaben. Fast in jedem Haus prangt an den Weihnachtstagen der schön geschmückte Christbaum, der in der Dunkelheit sein Licht hell erstrahlt. Das Herz der Kinder wird an diesen Tagen noch mehr erfreut durch die Geschenke von ihren Paten.

f) Sylvesterabend wird von der größeren männlichen Jugend im Wirtshause bei Bier, Wein und Kartenspiel gefeiert. Das Schießen in der Sylvesternacht, wodurch man den heiratsfähigen Mädchen „Neujahr“ anschoß, verschwindet immer mehr.

g) Am Neujahrsmorgen wünscht man sich „Guten Morgen im neuen Jahr“. Gratulationen durch Neujahrskarten nach auswärts geschehen mit jedem Jahr immer mehr.

h) Am Rosenmontag wird von der größeren männlichen Jugend oft ein Zug veranstaltet. Abends ist Tanzmusik. Die jüngere Generation sammelt am Fastnachtsdienstag bei den Bürgern Holz und Stroh und zündet außerhalb des Dorfes auf freiem Felde ein mächtiges Fastnachtsfeuer an.

Am Pfingstsamstag verschaffen sich die größeren Burschen des Dorfes einen schönen Tannenbaum und pflanzen ihn im Dorfe als Maibaum auf.

Vor einigen Jahren wurde derselbe noch mit einem Girlande von Eierschalen geschmückt und die Mädchen tanzten unter Absingen eines Liedes um denselben herum. Pfingstmontag putzen die

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größeren Mädchen den Bur, d.h. die steinernen Wasserbehälter der Wasserleitung, die mitten im Dorf liegen, werden gereinigt. Hierauf werden im Dorfe Eier gesammelt, im Wirtshaus gebacken und verzehrt.

Ein ähnliches Eiersammeln und Verzehren findet statt am Johannisabende und an den Tagen, an welchem die Burschen aus der Aushebung kommen.

Zu Ostern färbt die Mutter Ostereier und verteilt sie unter die Hausgenossen.

Am Himmelfahrtstage werden vor der Andacht die Glocken gedengelt, d.h. einige größere Burschen steigen in den Glockenturm der Kapelle und veranlassen durch das Anschlagen des Hammers  wider die Glocken einen nicht gerade angenehmen Glockenklang. Vor der Andacht begeben sich die Leute prozessionsweise und betend ins Korn, d.h. ins Feld, um den Segen Gottes für die Feldfrüchte herabzuflehen. Nachher wird in vielen Häusern Wecke-Milch (Brötchen in süße Milch eingebrockt) gegessen.

Außer den erwähnten Anlässen wird das Wirtshaus gewöhnlich nur an Sonntagen besucht. Alsdann leistet man sich gewöhnlich ein oder mehrere Schöppchen Wein oder einige Gläschen Bier, macht ein Spielchen und begibt sich gegen 6 – 7 Uhr wieder nach Hause. Branntwein wird ganz wenig getrunken. Abends um 10 Uhr ist mit Ausnahme bei Tanz gewöhnlich Feierabend in den Wirtschaften. Gegenwärtig sind Christoph Schwab (No. 13) und Paul Reinart No. 14 Inhaber von Wirtschaften. Ersterer hält des Jahres ungefähr 4 – 5 mal Tanzmusik in seinem neu erbauten Saal.

Im Jahre 1911 verzichtete Paul Reinart auf die weitere Wirtschaftskonzession, so dass von da ab Christoph Schwab alleiniger Wirt in Gering ist.

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Die schönen alten Sitten und Gebräuche verschwinden immer mehr, es hat dies einen verschiedenen Grund.

Betrachten wir einmal kurz die vorher Angegebenen:

Der Gebrauch a) besteht noch mit Ausnahmen der Kopulation, da wir ja mit Kollig seit 1925 eine Vikarie bilden. Die Trauung findet seit genannter Zeit in Gering statt. Der Gebrauch b) hat ebenfalls durch Änderung der Pfarrverhältnisse seine Wandlung erfahren. Die kleinen Erdenbürger werden in hiesiger Kirche nach der Messe getauft.

c) Die Beerdigungsweise ist noch dieselbe geblieben, ebenfalls die althergebrachte Totenwache.

d) Die Kirmesfeierlichkeiten sind geblieben.

e) f) g) Auch diese Gebräuche haben sich bis zum heutigen Tage in ihrer alten Frische erhalten.

h) Der sogenannte „Rosenmontagszug“ nimmt mehr und mehr ein städtisches Gepräge an.

(Seite 83 leer) Seite 84

f. Beschäftigung der Bewohner

1. Ackerbau und Viehzucht

Die meisten Bewohner unseres Ortes treiben Ackerbau und Viehzucht.

Zu Anfang dieses Jahrhunderts war das Land im Banne von Gering meistens im Besitze von Gutsherrn. Die Einwohner waren Pächter. Graf Metternich besaß hier 300 pr. Morgen Land. 1806 wurde diese Besitzung zu 14000 Franken verkauft und zwar teilten sich folgende Bürger in das verkaufte Land: 1) Peter Schwab 2. Joh. Schwab 3. Ant. Pauly 4. Röser. Das Kloster Rosenthal, bei Binningen gelegen, und ein Herr aus Cochem hatten damals auch hier ansehnliche Besitzungen. Ersteres Gut wurde 1814 versteigert. Weckbäcker aus M.Maifeld kaufte sich später auch hier ein. Diese Besitzung in einer Größe von 32 pr. Morgen wurden 1842 für 4000 Thlr versteigert.

Vor 50 und noch mehr Jahren wurde hier das Vieh auf die Weide getrieben und zu diesem Zwecke die Wiesen vielfach mit Hecken umzäunt, die heutzutage immer mehr verschwinden. Nach und nach wurde die Stallfütterung eingeführt und die trockenen Wiesen in Feld umgewandelt. Auch die früher betriebene sogenannte Dreifelderwirtschaft kennt man jetzt nicht mehr. Im Laufe der Zeit kam man dazu, hier Esparsette anzupflanzen, die einen guten Ertrag abwirft und zu Heu gemacht wird. Während Gering zu früheren Zeiten ein armes Dorf gewesen sein soll, hat sich der Wohlstand nach Aussage alter Leute durch den Anbau des erwähnten Futterkräutes sehr gehoben. Tatsächlich herrscht bei den Bauersleuten im allgemeinen ein ziemlicher Wohlstand. Da man einsieht, dass die Wiesen, als Acker benutzt, sich

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besser rentieren, so werden immer mehr Wiesen in Feld umgewandelt. – Die Gärten liegen fast alle um´s Dorf und haben hohe Preise. Die Umzäunung ist Mauer, Draht, Hecke oder Lattenzaun.- Obst wird ziemlich viel angebaut und gewonnen. Es wird teilweise verkauft und teilweise zu Wein (Viz) gekeltert. Vorzugsweise werden Apfelbäume (rheinischer Bohnapfel) viel gepflanzt, weniger pflanzt man Stein- und Schalobst.

Gering hat ungefähr     ha Feld, 35 ha Wald und 22 ha Wiesen. An den Bergabhängen der Elz und ihrer Nebenbächen findet man viele Privat-Waldparzellen. – Der Ackerboden ist im allgemeinen ein leichter Sandboden, der viel Feuchtigkeit verlangt, dann aber auch einen guten Ertrag abwirft. Der Versteigerungspreis des Ackerlandes ist augenblicklich pro Ruthe (~ 1/7 a). Am Dorfe in guten Lagen 6 – 10 M, in geringeren Lagen 2 – 4 M. Wiesen sind billiger. Der Pachtpreis ist im Verhältnis zum Kaufpreis ein hoher zu nennen. Ein Viertel Ackerland (= 90 Ruthen) kostet am Dorf 15 – 20 M, weiter in schlechteren Lagen 6 – 12 M Pacht.

(Nachträglicher Zusatz):

      • Viehzählung etc. für Gering am 01.12.00
      • 44 Pferde, 201 Stück Rindvieh, 2 Schafe, 90 Schweine, 6 Ziegen, 363 Hühner, 44 Bienenstöcken, 912 Obstbäume
  • Bodenerzeugnisse, die hier zum Verkauf gezogen werden, sind Halmfrüchte, Kartoffeln und Heu. Dieselben werden meistens nach Mayen zur Bahn befördert. Die durchschnittlichen Preise sind folgende Halmfrüchte: 1 Malter (=150 kg)

Weizen 20 – 30 M.

Roggen 20 – 25 M.

Hafer 15 – 20 M

Gerste 15 – 25 M.

Kartoffeln 1 Zentner (= 50 kg) 1,50 – 3,00 M

Heu  ″            ″        2,00 – 3,00 M

Während man früher einige Ackergerätschaften und meistens keine Wagen hatte, hatte der Bauersmann jetzt dereb mehr. Man gebraucht

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jetzt Wagen, Karren, Pflüge, Eggen und Walzen.

Die Halmfrüchte werden meistens durch Dampf- und Göbel-Dreschmaschinen gedroschen. Andere benutzte Maschinen, die im landwirtschaftlichen Betriebe gebraucht werden, sind Grützmühlen (und), Häkselschneidemaschinen und Schrotmühlen. – Wohlhabende Bauersleute gebrauchen zur Bearbeitung ihres Landes fremde Hilfe, sie halten Knecht und Magd, und in arbeitsamen Jahreszeiten Tagelöhner. Die Löhne sind in den letzten Jahren hoch. Ein Knecht erhält pro Jahr nebst Kost 200 – 360 M, eine Magd 120 – 240 M, ein Tagelöhner pro Tag 1,20 – 1,80 M Lohn. Der Wechsel der Dienstboten geschieht um Lichtmeß.

Die Viehzucht ist hier ziemlich im Flur, besonders züchtet man viele Pferde. Der Bauersmann hält als Rindvieh meistens Kühe, weniger Ochsen. Die Milch wird zu Butter verarbeitet und meistens in Mayen verkauft. Das Pfd kostet 0,95 – 1,15 M. In neuester Zeit sind auch einige Bauersleute der Molkerei-Genossenschaft in Polch beigetreten und erhalten dort pro l Milch durchschnittlich 0,08 M. Schweine züchtet man viele hier und verkauft sie als 6 – 9 wöchentliche Ferkel. Außerdem werden noch viele Schweine gemästet und verkauft.- Schafe werden keine mehr gehalten.- Hühner sieht man fast in jedem Hofe, Tauben sehr wenige.- Die Anzahl der Bienenstöcke beträgt ungefähr 50, darunter sind Stroh- u. Kastenwohnungen.- Am 1.12.97 hatte Gering folgenden Viehbestand: 42 Pferde, 192 Stück Rindvieh, 2 Schafe, 88 Schweine, 2 Ziegen, 3 Enten, 392 Hühner.

Die durchschnittlichen Fleischpreise sind folgende:

½ Kg Rindfleisch 50 – 60 Pf, Schweinefleisch 60 – 90 pf. Eier kosten ein Viertel (=25 Stück) 1,20 – 2,00 M.

Viehzählung am 1.12.02: Gering hatte 53 Pferde, 200 Stück Rindvieh, 1 Schaf u. 99 Schweine.

Zählung am 1.12.04: Gering 48 Haushaltungen mit Viehbesitz 50 Pferde, 224 Stück Rindvieh, 0 Schafe, Schweine 164, Ziegen 13. Schlachtungen: 7 Stück Rindvieh, 76 Schweine, 1 Ziege.

Zählung am 1.12.06:

Pferde 48, Rindvieh 226, Schweine 161.

Zählung am 1.12.10:

47 viehbesitzende Haushaltungen: 51 Pferde, 208 Stück Rindvieh, 224 Schweine.

Viehzählung 2.12.12:

52 Haushaltungen, davon 50 mit Vieh. 53 Pferde, 208 Stück Rindvieh, 197 Schweine, 10 Ziegen, 568 Hühner, 21 Bienenstöcke. Schlachtungen: 2 Rindvieh, 1 Schaf, 71 Schweine, 2 Ziegen.

 

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2. Gewerbliche Beschäftigung

Zu früheren Zeiten und teilweise noch jetzt (ist das Handwerk) war und ist das Handwerk hier schlecht vertreten. Gegenwärtig hat Gering 1 Schmied, 1 Schuster, 1 Schreiner und 1 Wagner.- Im Jahr 1862 wurde im Banne von Gering im Distrikt „Kuhstiefel“ von Joh. Durben aus Einig die erste Schiefergrube angefangen und betrieben. Seit dieser Zeit herrscht hier eine ziemlich rege Schieferindustrie. In den Jahren 1871 – 1885 waren die Preise der Schiefer ziemlich hoch und deshalb in dieser Zeit auch die Gewinnung der Schiefer eine Große. Dann ging die Industrie wegen der geringen Preise wieder zurück, so dass von fünf Gruben augenblicklich nur deren zwei betrieben werden, nämlich die von Christoph Schwab und Nik. Reicherts. Die Schiefer, die nicht von den Landleuten hiesiger Gegend aufgekauft werden, wandern per Bahn von Mayen ab meistens in Niederland, nämlich in die Bezirke Köln und Düsseldorf. Von den vielen Schieferarbeitern aus Gering, die früher hier Verdienst fanden, sind augenblicklich manche gezwungen, nach Mayen zu wandern, um auf den dortigen Schieferbrüchen Verdienst zu suchen. Die Spalter verdienen pro Tag ungefähr 2,50 M – 3,50 M. Die Hauer erhalten 1,50 M – 2,50 M.- Auf hiesigen Gruben werden folgende Sorten Schiefer angefertigt:

1. Könige zu 3,50 M – 4,50 das Reis (=8 Fuß lang)

2. Moselschiefer zu 9,00 M – 11 M

3. Halbe und 4. Schablonen

In den Jahren 1897 und 1898 stiegen fast um 50 % die Schiefer im Preise; entsprechend auch die Löhne der Arbeiter.

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März 1929.

 

Die beiden vorhin erwähnten Schiefergruben wurden im Jahr 1921 an die Gewerkschaft Dellhofen Kehrig verkauft. Heute liegen alle Gruben still und die Arbeiter beziehen Erwerbslosenunterstützung.

 

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Landwirtschaftliche Preisnotierungen

 

1894: Ziemlich hohe Viehpreise. Durchschnittlicher Preis des Roggens pro Malter (3 Ztr.) 16,50 M; der Weizen 23,00 M, der Gerste 17,00 M, des Hafers 15,00 M, der Kartoffeln pro Ztr. 1,50 M.

1895: Hohe Viehpreise. Roggen 18,00 M, Weizen 24,00 M, Gerste 18,50 M, Hafer 13,00 M. Kartoffeln 1,50 M.

1896: Hohe Viehpreise. Roggen 19,00 M, Weizen 24,50 M, Gerste 15,00 M, Hafer 13,50 M. Kartoffeln 1,70 M.

1897: Hohe Viehpreise. Roggen 21,00 M; Weizen 30 M, Gerste 24,50 M, Hafer 14,00 M, Kartoffeln 2,50 M.

1898: Sehr hohe Viehpreise.

 

1928: Niedrige Viehpreise. Roggen 36 M, Weizen 33 M, Gerste 38 M, Hafer 33 M, Kartoffeln 4 – 7 M.

1929 Frühjahr: Niedrige Viehpreise. Roggen 35 M, Weizen 33 M, Gerste 39 M. Hafer 33 M, Kartoffeln 3 – 4,50 .

1929 Herbst: Niedrige Viehpreise. Roggen 25 M (10 M gefallen), Weizen 37,50 M, Gerste 25,50 M (12 M gefallen), Hafer 24 M (9 M gefallen), Kartoffeln 2,80 – 3,00

1932: Niedriger Kartoffelpreis, kosten 1,80 – 2,-- RM pro Zentner. Die anderen Preise bleiben normal.

1934 Herbst: Die Regierung hat Richtpreise für Kartoffeln und Getreide herausgegeben, die eine ordnungsgemäße Regelung der Wirtschaft sicherstellen. Kartoffelpreis im Herbst 2,50 RM.

1935 Herbst: Durch den heißen Sommer 1935 ist der Kartoffelertrag sehr mäßig. Teilweise nur die Hälfte des Ertrages von 1934. Die Preise sind von der Regierung festgesetzt, augenblicklich (Oktober) beträgt er per Zentner 2,65.

Die Viehpreise sind sehr gestiegen, wie sie noch nie waren.

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1936: Dieses Jahr war sehr regnerisch. Wirklich heiße Tage im Sommer gab es nicht. Für die Getreideernte schlechtes Wetter. Der Ertrag war dennoch als gut zu bezeichnen. Der Kartoffelertrag war sehr gut. Da hier Sandboden ist, sind die Erträge in nassen Jahren bedeutend höher als in heißen Jahren. Am 6. Oktober 1936 fiel am Tage der erste Schnee, nachdem es in der vorhergegangenen Nacht gefroren hatte. Die ältesten Einwohner wissen sich nicht zu erinnern, dass so früh schon Schnee fiel.

Die Preise für Kartoffeln und Getreide sind von der Regierung geregelt, wie in den Vorjahren.

1937: Durch die Marktordnung und Preisordnung sind für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse Festpreise festgesetzt. Das Jahr 1937 war ein gutes Jahr. Der Ertrag an Kartoffeln war so reichlich, dass nach Aussage alter Geringer Bauern sie einen solchen „Kartoffelsegen“ noch nicht erlebt haben.

1938: Die Getreideernte ist sehr gut. Doch trat zur Erntezeit eine Regenperiode ein, so dass vieles Getreide auswuchs. Die Kartoffelernte ist nicht so reichlich wie im Vorjahr, aber dennoch als gut zu bezeichnen. Man kann im Durchschnitt pro Morgen 80 – 100 Zt. rechnen. Obst gab es fast keins. Kirschen, Zwetschgen und Birnen kaum, da die Blüten bei den Frühjahrsfrösten erfroren waren. Äpfel gab es sehr wenig. Das Vorjahr war dagegen ein gesegnetes Obstjahr. Die eingewinterten Kartoffeln in Kellern und Mieten sind sehr stark gefault, je nachdem, ob früh geerntet oder spät, stellenweise mehr als 50 %.

1939: Von Mitte Dezember bis März 1940 war ein selten strenger Winter, deren sich die ältesten Einwohner nicht erinnern können. Im Februar wurde bis zu 29° Kälte gemessen. Viele Wasserleitungen waren zugefroren. Glücklicherweise lag hoher Schnee, so dass die Saaten nicht gelitten hatten.

 

 

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g. Sprache

In Gering trifft man die Maifelder Mundart. Sie ist ein Übergangsdialekt zwischen der Eifeler- und Hunsrücker Mundart. Die Ausdrucksweise ist steif, breit und gedehnt. Infolge des immer zunehmenden Verkehrs, Eisenbahn, Autobuslinien verfeinert sich das Dialekt und die Sprache der Jugend weicht doch schon wesentlich von der Mundart der „Alten“ ab. Dieses Leben in der Sprache der Bauern nimmt ihr bestimmt manches Wesentliche. Es ist dies zu erklären, denn die Mundart hat ihre Berechtigung. Jede Mundart weicht mehr oder weniger vom Hochdeutschen ab in Laut- und Wortbildern, sowie im Satzbau. Im Unterricht muß fortwährend darauf geachtet werden. Erstes Erfordernis ist, dass der Lehrer all diese Abweichungen selbst kennt. Der 2te Fall ist gänzlich unbekannt. Es würde zu weit führen, sollte ich all die Abweichungen hier aufführen.